Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 166)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Glück und Wissen. terte. Meine musikalische Fertigkeit verschaffte mir dabei ziemliches Auskommen. Ich machte die Bekanntschaft gelehrter und angesehener Leute, und leicht hätte ich ehrenvolle Anstellungen erlangen können, wären mir nicht Religionsverhältnisse hinderlich im Wege gestanden." „Aber weit entfernt, durch eine Perfidie mein Glück zu machen, wandte ich vielmehr meine Blicke auf eben diese Verhältnisse und auf die Nation, in deren Mitte ich geboren. Mit demselben Eifer, der mich früher in Gefahr und Tod für's Vaterland geführt, beschloß ich, mich nun zum Wohle jenes stiefmütterlich behandelten Theiles zu widmen, auf den mich die Geburt zunächst gewiesen. Im Großen und Ganzen sah ich bald ein, sei es schwer, auf eine Nation zu wirken, die in kleinen Gemeinden auf dem ganzen Erdboden zerstrent lebt, aber ich nahm mit dem Kleinen vorlieb, und da kam der Zufall meinen Wünschen entgegen. Die Lehrerstelle nämlich an der Normalschule unserer Gemeinde war durch den Tod des alten, wenig befähigten Lehrers erledigt worden. Ich hielt darum bei der Behörde an, und sie ward mir gerne ertheilt." „Was man auch immer von verknöcherten Gewohnheiten und erstarrtem Vorurtheile sagen mag, ich habe gefunden, daß Ausdauer, Geduld und warmer Eifer jedes Hinderniß überwindet. In den acht Jahren meines hiesigen Waltens haben sich die erfreulichsten Aenderungen ergeben. Die Jugend spricht deutsch , und die Alten versuchen es nachzuthun; man verketzert nicht leicht jede freisinnigere Handlung, mehre haben sich dem Ackerbau und Gewerken zugewendet, beim Gebete herrscht Ordnung, und ich selbst mache, von einem eigens gebildeten Knaben-Chore unterstützt, an hohen Festtagen den Vorbeter. Die Liebe und Achtung, die ich mir erworben, ist für mich nicht so lohnend, als die Achtung, welche die Gemeinde selbst bei den Behörden und den christlichen Bewohnern der Stadt immer mehr erlangt."