Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1843-01-01 · 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843) · p. Seite 173

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
Date
1843-01-01
Page
Seite 173 (sequence 167)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2609281-3184078--0415-3184523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Glück und Wissen. 173 f „Was mich aber besonders beglückt, das ist die gelungene Erziehung meiner Schwester. Sie war zehn Jahre alt, da ich nach Hause kam, und versprach schon damals, was sie geworden an Leib und Seele. — Unsere Mädchen sind darin glücklicher, als die Knaben, daß sie nicht in frühester Jugend so viel Unerquickliches und Erdrückendes lernen müssen. Darum gehen sie an Geist und Körper wie die Blumen der Wiese auf, ungepflanzt, aber auch unverdorben. — Die Hand des liebenden, sorglichen Gärtners wirkte nun Wunder bei einem so reich begabten Mädchen. Bald war sie geeignet, einer neu gegründeten Mädchenschule als Lehrerin vorzustehen, und hat nicht geringe Verdienste um die Erziehung unserer weiblichen Jugend erworben." „Mein verehrter Freund," schloß der junge Mann — „ich habe meine Erzählung vielleicht über die Maßen ausgesponnen. Einem Manne wie Sie, dessen Geist und Wissen die Welt umfaßt, sind das vielleicht beschränkte, geringfügige Dinge." „0 im Gegentheile" — rief der Doktor, indem er die Hand des jungen Mannes mit Wärme ergriff, „ich stehe ganz beschämt neben euch, ihr herrlichen Menschen. Wie arm und unfruchtbar ist mein Leben dem eurigen gegenüber. Ja, in selbstsüchtigem Träumen und Grübeln habe ich es hingebracht, während Ihr freudig und segenreich unter Eurer Umgebung gewaltet. Aber, dem Himmel sei Dank, noch bin ich kein verschrumpfter Gelehrter, noch ist's Zeit zum Handeln und zum Leben. — Mein Freund, laßt mich den Dritten sein in Eurem Bunde. Das Vermächtnis; meines verewigten Erziehers sichert uns ein angenehmes Leben, und so soll das reiche Erbtheil meines Vaters die Mittel bieten, Euer angefangenes Werk fortzusetzen und zu erweitern. Zugleich will ich mein erworbenes Wissen in der Heil- und Naturkunde zum Besten der Menschen verwenden — die Sterne werden hoffentlich ihren Weg ohne mich finden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.