Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2609281-3184078--0351-3184459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
berühmter Zeitgenossen. 105 gange der sogenannten Tradition getrübt worden seien, und wie es demnach den jungem Rabbinern durchaus nicht als Neologismus anzurechnen sei, wenn sie sich bemühen, den reinen Mosaismus wieder herzustellen. Nun hatte augenscheinlich die Polemik seinen Standpunkt verändert, indem er selbst jetzt den reinen Mosaismus als den wesentlichen Widerspruch seiner Gegner zu entkräften suchte, indem er diesen als aus der getrübten Traditionsquelle geschöpft, darstellte. Inzwischen blieb er doch noch in so fern seinen bisherigen Ansichten getreu, als er selbst diesen reinen Mosaismus immer noch in der altern Tradition der Nabbinen wieder erkannte, und die Autorität des Rabbinlsmus innerhalb gewisser Gränzen unangefochten ließ. Aber diese Gränzen sind, ungeachtet der Gelehrsamkeit und des Scharfsinnes, die der Verfasser in dem dritten Bändchen aufbot, nicht scharf genug gezogen, und es schimmert bereits der Gedanke hindurch, daß es doch wohl schwer sein möchte, den angeblichen reinen Mosaismus mit der Integrität deS Rabbinismus zu vereinbaren. An einzelnen Stellen spricht er es auch geradezu aus, daß er in seinen schriftstellerischen Versuchen nicht seinen eigenen Standpunkt, sondern den der Rabbinen eingenommen habe, um von ihm aus die möglichen Verbesserungen wahrzunehmen. Gleichzeitig gibt er durch Vertheidigung seiner oben erwähnten antirabbinischen Thesen und durch eine Vorführung der Religionsweihe, wie er selbst sie mit der Jugend vorzunehmen pflege, eine Ansicht von dem, was ihm von seinem eigenen Standpunkte aus zweckmäßig erscheine. Endlich gelangte er aber zu der Ueberzeugung, daß sein Gedanke, den Fortschritt aus dem Rabbinismus zu bewirken, an der Unausführbarkeit und besonders an den unvermeidlichen Mißverständnissen scheitern müsse, und so gab er ihn denn im vierten Bande gänzlich preis. Hier geht er an die Religionsgeschichte: „Sie soll zeigen," sagt er nunmehr, „wie sich die Entwicklungsgeschichte des mosaischen Ritualgesetzes