Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 100)
- Language
- German
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102 Zur Charakteristik den ertheilten Anregungen nach, mit dem häuslichen Leben oft einen grellen Kontrast bilden!" Weiterhin äußert er sich über die innere Konsequenz des Rabbinismus: „Es hat nicht an mehr oder minder glücklichen Versuchen zur Verbesserung des öffentlichen Gottesdienstes gefehlt; aber alle noch so gut durchdachten Neuerungen stehen noch immer schmachtend da, wie eine Pflanze auf fremdartigem Boden, weil man nicht darauf bedacht war, sie mit einem wesentlichen Momente unseres Lebens in Einklang zu bringen, und dieses Element ist das durch dm Talmud und dieRabbinen ausgebildete Rirualwesen. Man ignorire es, so lange man wolle, es ist zu innig mit dem dogmatischen und dem moralischen Theile der israelitischen Religion verwebt, als daß es sich je daraus verlieren könnte; und es dürfte auch dann noch nicht ohne den größten Nachtheil unbeachtet bleiben, wenn es nichts weiter für sich haben sollte, als die Macht einer mehr denn dreitausendjährigen Gewohnheit." Nach diesen und ähnlichen Bemerkungen suchte er darzustellen, wie wenig die oftmals gewünschte Rückkehr zum reinen V?osaismus eine Wahrheit werden könne, indem die rabbinische Interpretation der heiligen Schrift durchaus unentbehrlich sei. „Gestehen wir es," setzt er hinzu, „daß in der eigentlichen Interpretation der Gesetze der Talmud allein dem orthodoxen Israeliten als Führer dienen könne." Hieraus ist ersichtlich, daß Creizenach von der Meinung durchdrungen war: der Fortschritt der religiösen Erkenntniß und zugleich die größere Treue, gegen die Leichtferrigkeit unserer Zeit, seien nur auf der historischen Basis zu erringen. Dieselbe Ueberzeugung theilen auch alle Rabbiner, welche sich's zur Aufgabe machen, ihre Gemeinden religiös zu bilden, ohne ihrem Gewissen allzuschwere Verantwortung für einzelne, in der Tradition nicht enthaltene Gebräuche