Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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berühmter Zeitgenossen. 101 Dieses bestand in einer durch den Rabbinismus selbst herbeizuführenden Umschaffung des Rabbinismus; es sollte derselbe von innen heraus durch seine eigene Entwickelung und Fortbildung genöthigt sein, die obwaltenden Differenzen auszugleichen. Ein an sich gewiß zu billigender Gedanke, wenn er überhaupt der Ausführung fähig ist. Die Anleitung dazu sollte hier versucht werden. „Das Werk, so heißt es in der Vorrede, soll den israelitischen Gemeinden zeigen, auf welche Weise es noch immer möglich ist, die Religion aus der dringenden Gefahr zu retten, in welche sie durch die beklagenswerthesten Verirrungen gerathen ist. Es werde hier kein besonderer Stand, keine besondere Klaffe des Volkes angeklagt, — wir haben Alle gefehlt. Rabbiner, Gemeindevorsteher, Volkslehrer, Schriftsteller, alle haben wir aus übermäßiger Aengstlichkeit, oder aus Kaltstnn, vder aus zu weit getriebenem Rationalismus, oder weil wir die Zeit und ihre Zeichen nicht verstanden haben, es mit unserer Religion dahin kommen lassen, daß sie mit dem Leben in einem offenen Zwiespalt steht, und gerade dem lebenskräftigen Theile ihrer Bekenner: der Jugend, den Gelehrten, den gebildeten Geschäftsmännern nur durch die Leiden fühlbar wird, die sie ihnen zuzieht, und die Kämpfe, in welche sie sie verwickelt. Indiesem Zustande kann die Religion den Seelen keinen Frieden geben, weil die Meisten in der Vorstellung leben, daß sie mit ihr gebrochen haben; sie kann den Sitten der aufblühenden Jugend nicht zur Stütze dienen, weil die Jugend durch Beispiel und durch den Drang des Lebens die verderbliche Fertigkeit erhält, sich über ihre Forderungen keck hinwegzusetzen; sie kann dem Familienleben keine Weihe und keine Innigkeit verleihen, weil die Enkel bespötteln, was die Großeltern mit Andacht und Ehrfurcht ausüben; sie beruhigt die Eltern nicht über das ewige Heil ihrer Kinder, weil die Anstalten zur religiösen Erziehung, der öffentliche Gottesdienst und die Schulen, der Form und