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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1843-01-01 · 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843) · p. Seite 90

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
Date
1843-01-01
Page
Seite 90 (sequence 88)
Language
German
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!>ö Zur Charakteristik genschaft abzustreifen bemüht ist; — alles dies hatte schon seit dem Beginn des Jahrhunderts in Israel, bewußt und unbewußt, eine Gährung erzeugt, die noch dauert, und wohl über ein Menschenalrer hinaus noch andauern wird. Von der Lösung dieses Problems hangt das Wohl und Weh der Israelitischen Gemeinde ab; aber diese Lösung, das sah Creizenach sehr wohl ein, war nicht den Individuen zu überlassen, wie es einst Mendelsohn für zweckmäßig erklärte; denn Individuen empfinden nur den Reiz des Augenblicks und folgen den äußern Anregungen, oft ohne Prinzip und innere Rechenschaft; es schien ihm die Aufgabe der Jugendlehrer vornehmlich zu sein, das kommende Geschlecht für die neuern Weltverhältnisse heranzubilden, es schien ihm dies die bedeutsamste Anwendung der nach beiden Ricktungen hin gewonnenen Gelehrsamkeit, dem Volke alles herkömmlich Gute zu erhalten ohne es der Welt zu entziehen, und ihm die Welt zugänglich zu machen, ohne ihm den irdischen Genuß als einziges Lebensziel vorzustecken. In dieser Hinsicht nun kann man sagen, daß seine Seele den Zustand des gesummten Israelitischen Bewußtseins dieser Periode widerstrahlte. Sein Gemüth fühlte tief mit der Gesammtheit, ja tiefer als diese, weil er sich von Allem, waS die Zeit eben reifte, deutlich und vollständig Rechenschaft geben konnte. Am ganzen Horizonte Israels begann es zu tagen, die neuen Erscheinungen, welche das Auge anzogen, machten sofort ihre bestimmten, oft gebieterischen Ansprüche. Es galt von dem überkommenen Gute manches Opfer zu bringen , um den Verhältnissen sich anzubilden; aber das ganze herkömmliche Leben Israels, ja selbst seine dauernden Leiden, seine Schmerzensgefühle und sein Schmerzensausdruck, Alles hatte sich so sehr mit den religiösen Begriffen und Uebungen verwebt und verflochten» daß die Feile fast nicht mehr den Rost der Jahrhunderte berühren konnte, ohne Gefahr für das innerste Wesen, und daß man nicht wagte, ein Sreinchen aus dem Bau zu ziehen, ohne einen Gesammt - Einsturz zu fürchten. Daher das Zögern und Sträuben einerseits, und

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