Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 84)
- Language
- German
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86 Zur Charakteristik stischer Fragen, mit Lesen und Geniesien literarischer Produkte, welche der Phantasie oder der Specularion angehören; aber von Mathematik findet sich kaum so viel als zum Verständniß des Ausdrucks nöthig ist, von Naturkunde und historischen Fakten sehr schwache Spuren. Daher liegt denn auch in den Geisteswerken der Juden, mit wenigen Ausnahmen, das ganze Feld der Archäologie, der Geschichte, der Geographie und Geognosie brach; selbst da, wo diese Gebiete als Hülfswissenschaften Beiträge liefern könnten, sieht man sich vergebens darnach um; ja wir möchten behaupten, das; unter hundert wohlgebildeten Israeliten, Kaufleuten wie Lehrern, Theologen wie Belletristen, kaum Einer sich finden dürfte, welcher auch nur ein Auge dafür hätte, einen Baum vom andern, einen Stoff vom andern, eine Erdart von einer andern zu unterscheiden, oder Sinn dafür hätte, die gewöhnlichsten Wirkungen des Lichtes, der Wärme, der Kälte zu beobachten; oder Lust, die Geschichte mit scharfer Sonderung der klimatischen und sonstigen natürlichen Verhältnisse, oder mit Aufmerksamkeit auf chronologische Fragen, zu studiren. Die Folge davon ist, daß die Israelitische Literatur in der Neuzeit, bei aller enormen Fruchtbarkeit, weit hinter der allgemeinen zurück geblieben. _ Wir wollen nicht die Gesammtheit anklagen, sie ist zu entschuldigen. Die Einseitigkeit hat ihren historischen Boden. Seit Jahrtausenden haben die Israeliten ihre Geisteöthätigkeit nur in literarischen Arbeiten, und auch hier nur in scholastischen Werken, darlegen können; die äußere Welt war ihnen fast ganz verschlossen, sie lebten nur im Reiche der Phantasie unb scharfsinniger Grübelei. Selbst nachdem sie aus dem Zustande der Jsolirrheit heraustraten, fanden sie hier mannigfache Beschäftigung, um eingesogene Irrungen zu entfernen, verschrobene Denkverhältnisse zu berichtigen, die klarere, einfachere Lehrweise des gebildeten Europa zu verallgemeinern, den Geschmack, der durch Zerrbilderlverwöhnt war, zu läutern, und an naturgemäße, wohlgeordnete Gestalten zu gewöhnen, sogar Gesinnungen und Gefühle