Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 83)
- Language
- German
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T berühmter Zeitgenossen. 85 werrh in großartigen Wirkungskreisen sich entfalten zu dürfen. Die klassischen Sprachen waren ihm geläufig, das ganze Semitisch-Orientalische Sprachsystem und die zur Eregese der Bibel wesentlich hülfreiche Literatur durchforschte er fleißig, sein erstaunliches Gedächtnis; erleichterte ihm den Fortschritt; was er einmal gelesen hatte, stand unvertilgbar darin verzeichnet. Aber höher als alles dies achten wir seine mathematischen und phisikalischen Studien, die er mit eben so seltenem Scharfsinn, durchdrang, als zu seiner philosophischen Ausbildung fruchtbar anzuwenden verstand. Wir verweilen noch einen Augenblick bei diesem Punkte, um eine unsern Lesern vielleicht nicht ganz uninteressante Bemerkung daran zu knüpfen, nämlich: daß für die fortschreitende Kultur der Israeliten nichts Wichtigeres geschehen könne, als die Einführung unsrer Zugend in die Realwissenschaften. Zeder aufmerksame Beobachter wird ohne Mühe wahrnehmen, daß alle noch hie und da vorkommenden beklagenswerthen Erscheinungen in der Bildung der Israeliten vorzugsweise aus der Einseitigkeit der literarischen Richtung entstehen, indem reine Anschauung, objektive Sachkenntniß und Umsicht in Ursache und Wirkung bei weitem seltener hervortreten, als die theils sprachliche theils belletristische Gewandtheit und Uebung. Dieser Mangel ist fühlbar an der Disputirsucht des scharfsinnigen Rabbinisten, wie an dem geckigen Gelegenheitsdichter und Gesellschafts - Declamator, am eigensinnigsten Systematiker wie an dem seichten Catechismenverfertiger, an dem freisinnigsten Spinozisten wie an dem Waffenträger der Hegelianer. Alle Vorwürfe, die man ihnen oft mit Recht machte, der Excentricität, der Ungefügigkeit, der Wortklauberei, der Gelehrtthuerei, der Absprecherei, der Nachäfferei, und sogar der Flüchtigkeit, der Unachtsamkeit und der Sucht sich bemerkbar zu machen, alle haben in ihm ihren Grund. Die jüdische Bildung, selbst auf ihren Höhepunkten, bewegt sich auf der contemplativen Seite des Lebens, beschäftigt sich mit Auslegung schwieriger Bücher, mit Erledigung lingui-