Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 1 = Jahr 5603 (1842-1843) (1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
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berühmter Zeitgenossen. 61 Ligen Gemeinden oft nicht die Fortsetzung der älter« einheimischen find, sondern aus jüngern Einwandrern bestehen, und daher auch meist eine andere Sprache sprechen. Die stärkste Anbildung nahmen die ehemaligen deutschen und die spanischen an, deren Sprache daher flch lange auch Ln fremden Ländern erhielt. Seit einem halben Jahrhundert hat dieser Wechsel durch Aus- und Einwanderung im Großen aufgehört, und die Juden sind an ihren Wohnplätzen einheimischer geworden. Ihre Sprache und Lebensfitten haben daher fich ganz in die des refpectiven Vaterlandes umgewandelt, und um so schärfer unterscheiden fich die Juden nunmehr nach Völkern. Im Mittelalter glich die Beschreibung eines ausgezeichneten Juden aus nördlichen Ländern ziemlich der eines Südländers, denn sie lebten mehr durch und für einander, als für die Nationen, von denen sie gleichmäßig mißhandelt wurden; gegenwärtig leben sie geschieden und mehr für die Nation des Vaterlandes, daher können ihre hervorragenden Geister nur durch dieses erkannt und ihre Bildung aus demselben hergeleitet werden. Heil den Juden überall, wenn sie immer mehr danach streben, alle guten Eigenschaften der nächsten Mitbewohner ihres Vaterlandes anzunehmen, sich in die Sitten und Lebensansichten derselben recht hineinzuleben, bis sie mit ihrer Natur verwachsen und alle Jsolirung abstreifen, so daß sie durch gleichen Sinn und gleiche Denkweise alle Interessen ihres Vaterlandes und Wohnsitzes theilen, mit ihren Nachbaren zu allen guten Zwecken sich leicht verständigen , die Vorurtheile in sich und Andern vertilgen und alle einander gern brüderlich und friedlich die Hand reichen! Um nun zu unsrer Darstellung zurückzukehren, betrachten wir in Montefiore zuerst den Engländer. Günstige Vermögensverhältniffe verdankt er, wie viele seiner Zeitgenossen, den glücklichen Geschäfts-Conjuncturen seines Vaterlandes, welche von unternehmenden und thätigen Männern wahrgenommen einen bedeutenden Wohlstand verbreiteten; einen Wohlstand, der in sich selbst gleichsam erblühete, als der reine Ertrag eines freien, umsichtigen und lebendigen Benutzens der Momente, die den minder Geschäftigen oft vorüberziehen. Wohlstand aber ist in England mehr als in andern Ländern eine Stütze der Unabhängigkeit, welche jeder Einzelne durch die Staatsverfaffung in sich tragt, und nur dann recht empfindet, wenn nicht Lebenssorgen andere Abhängigkeit nothwendig machen. Der gebildetere Engländer, welcher vor Sorgen gesichert ist, kennt weder Unterwürfigkeit noch Herrschsucht. Eine bedeutende Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft erlangt er nach Maßgabe der Theilnahme, welche er derselben beweiset, indem er gemeinnützige Werke befördert und großartigen Unternehmungen seine Aufmerksamkeit und Mittel zuwendet. Kein Land ist an diesen so reich wie England, und die Begüterten werden dort um so häufiger von sinnvollen Erfindern und industriellen Geistern zur Ausführung oft riesenartigex Entwürfe in Anspruch genom-