Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 1 = Jahr 5603 (1842-1843) (1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Charakteristik krrngen find eben so lehrreich und anregend für den Minderkundigen, als anziehend für den Kundigen, welcher die nur durchschimmernde Fülle gediegener Kenntnisse und die Gewandtheit in deren Behandlung zu erkennen und zu würdigen weiß. Mit diesen durch keinerlei Eitelkeit oder Ziererei verunstalteten Vorzügen verbindet fie eine tiefe Sympathie für menschliche Leiden und Freuden, und einen wohlgebildeten Sinn für alles Schöne und Erhabene. Die häusliche Einrichtung entspricht diesen Verhältnissen und dieser Sinnesart. Reichthum und Ueberfiuß gibt fich überall darin kund, wie es ihre Stellung im socialen Leben dort fordert, aber zugleich ist die Wahl und Anordnung in allem geschmackvoll, einfach schön, ohne Ueberladung und schreienden Prunk oder unnützen Flitter, und das Auge empfängt von den Gegenständen rund umher wohlthuende Eindrücke, besonders ziehen manche schöne Gemälde die Aufmerksamkeit länger auf fich. Man fühlt sich bald heimisch und überläßt fich in ungezwungener Bewegung den freundlichen Gesprächen des größer» oder geringer» Kreises und verfehlt niemals, angenehme und nachhaltige Erinnerungen mitzunehmen. Nicht leicht eignete fich ein anderer Mann so wie Montefiore zu der Mission des Jahres 1840; und zwar weil sich in ihm so viele Bedingungen vereinigen, die theils dem Engländer, theils dem Israeliten als solchen eigen sind, und sich selten zu einer solchen Gesammtheit znsammenfinden. * Die oben beschriebenen Vorzüge verdankt unser Held zum großen Theile dem Boden, dem Leben, so zu sagen der Atmosphäre Englands, in welcher bei den Grundbedingungen einer freieren Erziehung, nämlich einigem Wohlstände und gutem Streben, dieselben fich häufig entwickeln und zu einer gewissen Vollendung gelangen. Sir Moses ist von dieser Seite betrachtet, vollkommen Engländer, was für die nähere Erkenntniß seines Wirkens von Wichtigkeit ist. Die einheimischen Juden in England haben sich, besonders wenn fie im Stande sind, etwas mehr Weltbildung aufzusuchen, fast ganz diesem Lande akklimatifirt, obwohl fie von ihrer ReligionSform nichts opfern. Es ist dies keine besondere Eigenheit des JudenthumeS, sondern fast alle Religionen lassen eine Veränderung deS Volkswesens nach Veränderung des Wohnortes und Klima'S zu, aber es muß bei den Juden besonders hervorgehoben werden, weil viele Publicisten, getäuscht von der entgegengesetzten Erscheinung der Juden, eine solche Bildsamkeit absprechen, vielmehr dieselben überall gleich finden wollen, und deshalb auch eine strengere Nationalität ihnen beimessen. Wenn fich bei örtlicher Sonderung noch häufig die Juden in ihren charakteristischen Zügen und Handlungen aleich zeigen, so liegt das zum Theil darin, daß in vielen Gegenden Europas ihre Ansiedelung in Masse noch nicht lange her ist, indem fie ihreWohnplätze verlassen mußten, und daher vielfältig wechselten, so daß die gegenwär-