Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 1 = Jahr 5603 (1842-1843) (1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 107)
- Language
- German
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50 Rückblick aus Das Jahr 1841 wurde von den Israeliten Preußen's mit großen Hoffnungen eröffnet, angeregt durch die huldreichen Worte des Königs an die Berliner Deputation. Auch im Laufe des Jahres wurden dieselben durch die Ansprache Sr. Majestät an die Deputation der schlesischen Juden in Breslau gehoben, worin derselbe seinen Willen, den Kreis der Aemter zu erweitern, welche von den jüdischen Staatsbürgern bekleidet werden können, kund that. Jndeß brachte dieses Jahr noch nichts Entscheidendes. Zwar wurde das Gesetz über die jüdischen Vornamen wieder aufgehoben, indem den Juden nur einige wirklich christliche Vornamen verboten blieben; zwar erhielt ein Jude, der Hauptmann Burg, zum ersten Male einen preußischen Orden; eine Ministerialverfügung erklärte, daß Juden nur von den Bürgermeisterstellen, nicht aber vom Magistrate ausgeschlossen seien, und ein Cabinetsbefehl verordnete, vaß keine Synagoge und kein jüdischer Gottesacker in Erekution genommen werden dürfe — hingegen wurden jüdische Rittergutsbefltzer von den landschaftlichen Kreisversammlungen ausgeschlossen, ein neues Land-Gemeindegesetz für die Provinz Westphalen ertheilte den Juden die Wahlfähigkeit zu Dorfverordneten nicht, und durch ein vom Minister bestätigtes Statut wurde der philosophischen Fakultät zu Breslau nachgegeben, keinen Israeliten zum Doktor phil. zu promoviren. Nicht minder ist es hervorzuheben, daß die westpreußischen Provinzialstände den Antrag, Stadtverordnete mosaischen Glaubens zur Wahl der Landtagsabgeordneten zuzulassen, zurückwiesen. In Bezug auf den Gottesdienst erklärte das Ministerium bei Gelegenheit, daß derselbe nur polizeilich zu bewachen sei, dessen innere Gestaltung den Behörden nicht unterliege. So sehen wir denn die Sache in stahl quo geblieben, und muß die nächste Zukunft den rechten Maßstab zur Beurtheilung liefern. Im Allgemeinen ist der Geist der Bildung unter den preußischen Israeliten sehr lebendig, der Drang zur Hebung des Synagogen- und Schulwesens ist groß; aber allerdings fehlt es noch an jedem äußern Beförderungsmittel und an der Unzuverlässigkeit der Dinge scheitert alles Bemühen Einzelner. Wohl zu beachten ist die Eröffnung eines Schullehrer-