Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 1 = Jahr 5603 (1842-1843) (1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 104)
- Language
- German
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das Lahr 1841. 47 lich ein weniger erfreulicher Geist bemerklich. Das vorhandene Gesetz wurde zwar nicht verändert; allein die Interpretation desselben da, wo es einen zweifelhaften Falt betraf, wurde stets ungünstig für die Juden getroffen. So wurde entschieden, daß wenn ein Jude, der sich zu einem Eide erboten, vor dessen Leistung stirbt, der Eid nicht als geleistet angesehen werden soll, wie dies bei Christen der Fall ist: so wurde den Juden der Handel mit Lumpen, den jüdischen Geistlichen bei Leichenbegängnissen das Tragen ihres Ornates untersagt, der a u s s ch l i e ß l i ch orthodoxe Geist wurde überall genährt und ihm die Obhand gegeben. Demungeachtet entwickelte sich manches Gute, und der geregelte Gottesdienst gewann in einigen Provinzen immer mehr Konsistenz; so wurde auch ein Unterstützungsverein für israelitische Ackerbau- und Handwerkslehrlinge in Baiern geschaffen. — In der Gemeinde Frankfurt's am Main nahm der Zwiespalt der Parteien eine immer ostensiblere Gestalt an. Es zeigte sich dies namentlich in zwei Punkten: der Wahl eines zweiten Nabbinen, die beschlossen, aber bis jetzt rllcht ausgeführt werden konnte, und einer neuen Leichenbestattungsordnung, die trotz dem Widerspruch der Chebroth durchgesetzt wurde, wohingegen diese ihre Thätigkeit nur in Gegenseitigkeit fortan bestehen lassen wollten. — Aus Nassau erfuhr man zwar, daß die daselbst noch unter dem Schutze stehenden Israeliten eine Umwandlung ihrer Verhältnisse erfahren sollten, bis jetzt geschah aber Nichts, als daß eine Verordnung des Kaisers Anastasius (!), daß ein Jude seine Forderung gegen einen Christen an einen Christen nicht abtreten dürfe, außer Kraft gesetzt wurde. —> Auch in Mainz ist die Gemeinde aus ihrer Krise noch nicht herausgetreten, und obwohl es verlautete, daß ein tüchtiger norddeutscher Gelehrter an die Spitze des Kultus treten sollte, um ihn zu regeneriren, so ist dies doch auch nicht realisirt worden. Im Fürstenthume Lippe gehen die Israeliten einer bessern Zukunft entgegen. Bis zum Jahre 1809 bestanden noch die drückendsten mittelalterlichen Gesetze. Die Fürstin Pauline öffnete da den Juden Gewerke, Wissenschaften und Künste. Im verflossenen Jahre wurden wiederum einige Erleichterungen ge-