Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 1 = Jahr 5603 (1842-1843) (1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2609281-3184076--0100-3184207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
das Jahr 1841. 43 ersteren, Toskana in den letzteren voran. Werfen wir daher hier einen Blick auf die beiden letztgenannten, um so die italienischen Verfassungen zu zeichnen. — Das römische Ghetto liegt dicht an der Tiber, deren Ueberschwemmungen es häufig ausgesetzt ist. Im Innern selbst findet man sehr enge Straßen, armselige Häuser, Bude an Bude und eine Menge Menschen. Der größte Theil des Judenviertels ist ein wahrer Trödelmarkt, wo man im buntesten Gemisch Kostüme und Lumpen von allen Farben und Gattungen sieht. Gewiß mehr denn die Hälfte der Bevölkerung sitzt unter oder vor der Thüre; die Hauptbeschäftigung ist Flicken. Und was nicht im Ghetto flickt, flickt in allen Häusern Roms, wo es nur Löcher zu stopfen und Risse zu vernähen gibt. In dieser Kunst haben die alten Weiber verdiente Berühmtheit erworben. Ein kleiner Theil des Ghetto hat indeß ein einigermaßen respectableres Aussehen: der gegen die Piazza Giudea und Piazza delte Tartarughe zu, wo sich größere Magazine befinden. Diese werden von den Bewohnern Roms aus allen Klassen häufig besucht, indem man hier in Leinen-, Baumwollen- und Wollenzeugen und Waaren jeder Art gewöhnlich größere Auswahl findet als in andern Magazinen der Sladt. Auf der Piazza delle scuole ist die größere Synagoge, neben welcher es noch zwei Bethäuser gibt; sie ist ein modernes Gebäude und nicht ohne Geschmack, wenn auch durch eine unvorteilhafte Lage beeinträchtigt. Eine Art Vorbau, in einem viersäuligen geschlossenen Portieus bestehend, macht keine üble Wirkung. Die Fontaine, welche ihr Wasser von der Agua Paola bezieht, ließ Papst Paul V. im Jahre 1614 errichten. An ihr sieht man neben dem Adler des borghesischen Wappens den siebenarmigen Leuchter des Tempels von Jerusalem. — Die Juden in Rom sind der speeiellen Jurisdiktion des Kardinalvikars unterworfen; auch hat das Ghetto eine eigene polizeiliche Verwaltung. Dem Präsidenten stehen indeß noch andere Befugnisse zu, außer den gewöhnlichen; denn während er der Chef der eigentlichen Polizei ist, die Handlungsbücher beglaubigen muß u. s. w., liegt ihm auch die Administration des Oekonomischen ob, und durch ihn wird die Gemeinde (oder *