Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 335)
- Language
- German
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Krawatte anläßlich des Ankaufs der Viktualien von preußischen Verpflegsbeamten in gewohnter liebevoller Weise aufgeführt. „VolkSfteund" und „Kirchenzeitung" suchen den Deutschen Janhagel zu schönen Unternehmungen zu ermuntern, ohne von den Sicherheitsbehörden bemerkt zu werden. Mittlerweile tritt Beust in's Ministerium, der ungarische Landtag wird einberufen, in^lngarn ist die neue Aera aufgegangen, man hoffte, daß nun all die schönen Reden der Deakiften und der Liberalen sich in' lebendige That verwandeln werden; allein das neue magyarische Ministerium erfand neue Bedenklichkeiten, setzte dirEmarrzipationSfrage mit einem Jnkolatsgesetze in Verbindung, vertröstete die Juden auf den heurigen Herbst und war offenbar bemühet, nur Aufschub zu erlangen, ohne die Gründe für solche Verzögerung anzugeben. Nun glauben wir zwar auch nicht, daß eS der ungarischen Regierung einfallen kann, solchen Undank gegen die Juden zu effektuiren, oder für die Dauer die Angelegenheit zu vertagen, vielmehr scheint uns, daß die liberalen Ungarn sich wohl zu berechnen vermögen, wie lange die Zeit bis zu-den calendae graecae dauert und auf baldige Erledigung dringen würden, aber jedenfalls hat uns diese Saumseligkeit in Erfüllung eines guten Rechtes einen Einblick in geheime geistige Vorbehalte des ungarischen Adels eröffnet, der sehr verstimmend wirkt. In der westlichen Reichshälfte begnügte man sich vor Einberufung des Reichstages mit Ordonanzen, die aber das jüdische Interesse Mannigfach berührten. Obenan stehet das vielfach diskutirte Heeresergänzungsgesetz, welches Geistliche aller Confeffionen mithin auch Rabbiner und Bestiffene der israelitischen Theologie vom Kriegsdienste befreiet. Dieß rief eine Diskussion über den Begriff Rabbinatscandidat hervor, und die Regierung interpretirte sich selber, indem sie 36 ungarische Jeschiboth, die in alter unmethodischer Weise und unter Herrschaft des krassesten Obskurantismus den Talmud lehren, als vom Staate anerkannte Rabbinerschulen bezeichnet und den Jüngern derselben die Militärfreiheit zusprach. Das konnte den gebildetern cisleithanischen Juden nicht genügen, und der Vorstand der Wiener Gemeinde beriet nun ernstlich über Organisirung von Rabbinerschulen, ist aber bis jetzt noch zu keinem Resultate gelangt.