Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 336)
- Language
- German
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— 301 — Dieselbe Kultusrepräsentanz urgirte auf Anregung des Hof- und GerichtSadvokaten Or. Kneppter, die Jnkonvenienzen, welche die Eidesformel für die Juden zum Unglimpfe unserer GlaubenSgenossenschaft bietet, und sind Aussichten vorhanden, daß diese Angelegen-' heit im günstigen Sinne ihren Austrag finden werde/ Hiebei ist aber vorzugsweise die rühmenswerthe Thätigkeit des Herrn Dr. Kneppler, der zuerst in der Advokatenkammer den Antrag auf Aequiparirung der Eidesformeln stellte und mit aller Energie die Sache' durch Wort und Schrift mit vielem Zeitverluste betrieb — mit besonderer Anerkennung hervorzuheben. Nachdem der Reichstag wieder einberufen ward, trat der Abgeordnete Dr. Mühlfeld aus und schlug die Berathung eines ReligionSedikteS vor, welches jene Bestimmungen des österreichischen Konkordates, die die Freiheit nichtkatholischer Konfessionen beschränken, unschädlich machen sollte. Auch diese Verhandlung ist in der Schwebe, und stehet ein sehr bitterer Kampf bevor, dessen Ausgang natürlich nur zweifelhaft fein kann. Die innern Zustände des JudenthumS haben sich in einigen Beziehungen verbessert, in andern sehr verschlimmert. DaS jüdische Schulwesen hat sich im Ganzen und Großen gehoben und gehet einer Konfolidirung durch Lehrerkonferenzen und UnterstützungSvereine entgegen. Die Regierung hat im abgelaufenen Jahre die JnfpektionSfrage in Angriff genommen, im Unterrichtsrathe wurden eingehende Erhebungen darüber gepsiogen, das Unterrichtsministerium hat mehrere neue, zwar nicht sehr lobenswerthe Religionsschulbücher approbirt, Gutachten über den Unterricht in hebräischer Sprache entgegengenommen, mehrere sehr gute Vorschläge adoptirt und durch Circularien an die Statthaltereien zur Kenntniß der Direktionen gebracht. In den einzelnen Kronländern stehet das Schulwesen in Niederösterreich auf tiefster, in Mahren auf verhältnißmäßig, höchster Stufe. In Wien thut die Gemeinde gar nichts für die Kreirung von Schulen, und ist der Jugendunterricht der Privatspekulation preisgegeben. Mit Ausnahme der als erste öffentliche israelitische Haupt- und Realschule unter Leitung der Direktoren Dr. A. I. Pick und S. Szüntü bestehenden Anstalt, besitzt Wien kein einziges jüdisches Institut, an dessen Spitze Männer stünden, die irgend eine