Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 326)
- Language
- German
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291 trat, die, Jahre lang außer aller Gemeinschaft mit Glaubensgenossen lebend, des Trostes, der Belehrung, der Ermunterung und des Zuspruches entbehren! Auf der einen Seite blos knechtischer Gehorsam ohne selbstbewußte Erkenntniß der Pflicht und daneben daS Gefühl einer Kollusion der Dienst- und Religionsvorschriften, das ihm doch nur ein Geistlicher seines Glaubens beschwichtigen konnte. Auf der anderen Seite trostlose Verlassenheit in den Spitälern, während dem christlichen Kameraden Hunderte barmherzige Priester seines Kultus tröstend, helfend, unterstützend zur Seite stehen. Hier der müde, brechende Blick eines Sterbenden, der Niemanden hat, dem er daS letzte Bekenntniß enjgegenhaucht, dort die Trostlosigkeit eines galizischen Familienvaters, dem niemand die Kunde von den Seinigen vorzulesen vermag, weil der Brief in hebräischen Lettern geschrieben ist. All das war dem Kriegsminister in Memorialen und Bittschreiben unterbreitet und darauf gestützt, ersuchte man um definitive und permanente Anstellung, des einzigen jüdischen FeldkaplanS dritter Klaffe mit einem Gehalte von 500 fl. jährlich! All diesen Argumenten setzte der Minister ein finanzielles non possum entgegen. Vergeblich war die Würdigkeit der Person des Feldpredigers, durch das Belobungsschreiben des Generalates dokumentirt, vergeblich wies das Hilfscornils für israelitische Soldaten darauf hin, daß die Auflassung des Feldpredigeramtes als ein Rückschritt aufgefaßt werden und den Fortbestand des Comitö's gefährden würde. Man gab darauf die feine lächelnde Antwort, daß der Patriotismus der Juden, der sich ja auch vor der Existenz eines Feldpredigers bewährt hatte, durch die Entlassung des Letzteren nicht abgeschwächt werden könne, als ob der Verlust des bereits Errungenen nicht um vieles herber als der ursprüngliche und gewohnte Mangel eines Gutes wäre. Der Herr Minister animirte zwar zu einem Majestätsgesuche, gab aber, als auch dieseS ihm zur Aeußerung vorgelegt wurde, den Bescheid, daß er noch immer, aus ökonomischen Gründen, nicht zur Bewilligung rathen könne. Als Beweis dafür, wie doch einzig und allein die Budgetverhältniffe der Anstellung eines jüdischen Feldpredigers hindernd in den Weg treten, wurden ganz neue nichtjüdische Feldkapläne erst 19*