Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 325)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6991-3184014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
waren es die Militärbehörden und Vorgesetzten selber, welche in zuvorkommender Weise dem Feldprediger entgegenkamen. Wir haben den Gedanken schon öfter ausgeführt, daß im MLlitärstande, wie nirgends sonst, die Idee der Gleichberechtigung zum Durchbruche und Bewußtsein gelangt. Die Uniform und das Reglement, die gemeinsame Gefahr und die ausnabmslose Dienstordnung, sie alle erziehen und bilden zur Brüderlichkeit und Einheit, und darum war auch von jeher in Oesterreich der Kriegerftanv der erste und einzige, von welchem die Initiative zur Aufhebung aller Exctustvgesetze ausging. Es wird daher Niemanden wundern, wenn er hört, daß dem jüdischen Feldprediger, der ursprünglich für die Südarmee defignirt und der Intendanz zugetheilt, später für die Gesammtarmee bestimmt, dem niederösterreichischen Landescommando unterstellt war, mit anerkennenswerthem Wohlwollen und mit aller Courtoiste wie Herzlichkeit von den Organen der Militärbehörde begegnet wurde. Aber auch die christlichen Amtsgenoffen, die katholischen und protestantischen Feldseelsorger, erwiesen eine gleich ungeheuchelte Freundlichkeit und Cordialität ihrem israelitischen Kollegen und nicht Eine Stimme des Mißmuthes erhob stch in diesen Kreisen, vielmehr nahmen all die geistlichen Herren mit einer offenherzigen und wahrhaft erbauenden Freudigkeit diesen israelitischen Mitbruder im Amte aus und gingen ihin rathend und instruirend an die Hand. Dies waren die Stimmungen und Gestnnungen für das Feldpredigeramt, welche der neue Minister von John vorfand, als bei ihm neuerdings, sowohl von Seiten der israelitischen Kultusreprasentanz als von der des Hilfscomitö's, wie endlich durch den Feldgeistlichen selber, um definitive Anstellung des SeelensorgerS für Friedenszwecke eingeschritten wurde. Hatte man nämlich früher die Besetzung dieses Amtes nur als wünschenswerth erkannt, ohne an Antezedentien anknüpfen und ältere Erfahrungen benützen zu können, so ergab sich nun bei Antritt der AmtSverwaltüng und nach eröffnetem Einblicke in die faktischen Zustände die Dringlichkeit und Unabweisbarkeit einer geistlichen Vertretung vom Standpunkte der Wohlthätigkeit und Nächstenliebe. Welches Bild bot stch dem Feldprediger dar, als er in näheren Verkehr mit tausenden von Kriegen»