Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 324)
- Language
- German
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L 289 — diese Institution eifrig bemüht gewesenen, sehr verehrten Predigers Dr. Ad. Jellinek mehrere Candidaten vor, und zwar xrimo loeo den allgemein geachteten hier ansässigen JnstitutSinhaber Josef Szanto. Die Wahl war abgesehen von den persönlichen Fähigkeiten des Feldpredigers, schon deshalb eine sehr glückliche, weil die materielle Existenz desselben ohnehin in Wien selbst eine anderweitig gesicherte Basis hatte. Denn offenbar durfte der Feldprediger nur in der Residenz seinen Sitz haben, um den leitenden Behörden ungesäumt zu Gebote stehen zu können, überdies sollte er, um Vertrauen einzuflößen und dem Religionsgesetze zu genügen, verehelicht sein. Welcher Familienvater wäre aber sonst im Stande, von einem kleinen Adjutum per 500 fl. in Wien standesgemäß zu leben und als Feldprediger würdig seinen Glauben in Militärkreisen zu repräsentiren, wenn er nicht so wie. Herr Szanto schon ohnehin eine Erwerbsquelle eröffnet hätte? So kam es denn auch, daß der für die Kriegsdauer ernannte jüdische Feldgeistliche von allen Seiten auf das Freundlichste begrüßt wurde. Die Juden in Oesterreich fanden sich durch diesen Akt kaiserlicher Gnade zur erhöhten Opferwilligkeir ermuthigt, von den Kanzeln in den Synagogen wurde auf die Institution als auf einen ° unzweideutigen Ausdruck der Anerkennung konfessioneller Gleichberech- . tigung hingewiesen, in ausländischen Journalen demonstrirte man hieraus die entschieden liberale Richtung Oesterreichs , und der jüdische Feldkaplan dritter Klaffe hatte in kurzer Zeit mehr zum Ruhme der Regierung beigetragen, als alle ultramontanen Echauffements der „frommen Publizistik" in zehn Jahren zu eifern vermochten. Das Hilfskomitö für israelitische Soldaten, das eben seine Wirksamkeit angetreten hatte, als der Feldprediger ernannt wurde, konnte sogleich die heilsamen Folgen an sich erfahren, denn nicht nur aus dem Jnlande, sondern selbst aus Frankreich, England, den Donaufürstenthümern flössen ihm reichliche und willige Gaben der Glaubensbrüder zu, denn gerne war jeder Religionsgenoffe bereit, sein Schärflein dahin zu tragen, wo man von Seiten der Regierung in so menschenfreundlicher Weise dem Glaubensbunde entgegenkam. Allein auch in nichtjüdischen Kreisen ward das neue Seelensorgeramt auf das Wohlwohlendste ausgenommen. Zuerst 19