Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 323)
- Language
- German
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auch hier die Erinnerungen aus dem verflossenen Jahre zusammen und beginnen zunächst mit unserem Vaterlande, mit Oesterreich. Der Krieg hat uns, wie man eben weiß, nicht sehr gefördert, eS wäre denn, daß der Feind uns lehrte was wir —sotten. JüdifcherseitS brachte der Krieg ein rasch entglittenes k. k. Feldpredigeramt und ein seit Monden schlummerndes Hilfskomite für iSr. Soldaten. Beleuchten wir die Geschichte beider Institutionen ein wenig naher, da wir sonst nicht viel Erhebliches zu erzählen haben dürften. Das israelitische Feldpredigeramt Ln-Oesterreich war plötzlich wie eine vereinzelte Sternschnuppe emporgeglanzt, um ebenso rasch den Horizont hinabzuschießen und Ln die schweigsame Nacht hinaus zu verglühen. Es war kurze Zeit nach dem Frieden zu Villafranca — viele unserer Glaubensbrüder röchelten in den Lazarethen, verstechten und verkrüppelten in den Spitälern — als der Ruf nach jüdischen Feldgeistlichen zuerst in der „Neuzeit" und dann in weiteren Kreisen vernommen ward. Die Idee eines jüdischen Feldpredigers tauchte in den Wogendrang der Ereignisse nieder. Da brach der unselige Krieg im Süden und Norden des Reiches zu gleicher Zeit aus, und wieder holte die „Neuzeit" die längst entschlafene Idee-eines israelitisHen Feldpredigeramtes hervor und diesmal nicht ohne Erfolg. Der Vorstand der ersten israelitischen Gemeinde in Oesterreichs Residenz nahm die Angelegenheit selbst in die Hand, die Nothwendigkeit einer Feldseelsorge stellte er den maßgebenden Regierungsorganen dar — und die Bitte fand rasche und günstige Erledigung; denn damals stand Minister von Franck an der Spitze der Militärbehörden. Tausende Lippen segneten unseren erhabenen Monarchen, in Tausenden von Herzen war die alte Liebe zu dem huldreichen Herrscher nur noch lebhafter erglommen, und jeder billig denkende Oesterreicher, JSraelite wie NichtiSraelite begrüßte die 'Bewilligung zweier Feldprediger für die Süd- und Nordarmee als eine Institution der Humanität, der Rechtsgleichheit, des edleren Fortschrittes. Der Vorstand der Wiener Gemeinde, dem das PräsentationSrecht zuerkannt wurde, schlug nach Einvernehmen des um