Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 319)
- Language
- German
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- 284 — kommt er zu den Normalschulprüfungen, wo aber schon kein- Platz mehr zu finden war. Moses Landau ladet den zu den wissenschaftlichen Notablen gehörenden Mayer pantomimisch ein, mit ihm auf einen, Sessel zu sitzen. Dieser aber refusirt es mit den Worten: Ich brauche um die Bußezeit. Mechila gemura.“ (Vollständige Verzeihung. Das Wortspiel liegt aber darin, daß in der Ghettosprache Mechila oder Verzeihung der Euphemismus zur Bezeichnung der Gesäßtheile ist). — Er lag oft bis 10 Uhr Vormittags im Bette, erhielt aber einst um 9 Uhr einen Besuch von dem Vorsteher MI. Landau. Ich möchte Ihnen, sagte W. M., gerne meine Aufwartung machen. Aber das Beste, was ich habe, ist mein Bett. Wenn es Ihnen daher genehm ist, legen Sie sich zu mir da herein. Komische Persönlichkeiten aber mitunter witzige Leute waren die Schadchanim (Heiratsvermittler), welche gegen entsprechende Mäktergebühren Ehen stifteten, Verzeichnisse junger Männer und Mädchen sammt genauen Personbeschreibungen anlegten und so ihr Geschäft im Großen betrieben Sie verstanden es ihre Projekte mit vielem Witze und großer Überredungskunst vorzutragen, wurden aber häufig noch witziger abgewiesen. Z. B. Ein Schadchan schlug einem reichen Juden eine Partie für dessen Tochter vor. Nichts für mich, sagte der Schwiegervater, der junge Mann ist weder ein Spieler noch ein Trinker. — „Nun ist das ein Fehler?" Gewiß, antwortete der Vater, denn er ist kein Spieler und spielt doch, und verliert viel Geld, er ist kein Trinker und trinkt doch.