Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 314)
- Language
- German
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denn damals galt es für Sünde etwas anderes als Talmud zu studieren. „Nun eine Sünde," erwiderte Landau, „ist es wohl nicht, aber der Mensch dauert mich, daß er jetzt auch auf Französisch ein Narr sein wird, während. er bis jetzt nur deutsch seine Narrheit ausdrücken konnte." Ein Schwächling fastete aus Frömmigkeit alle zehn Bußetage, weil er den Oberrabbiner auch so thun sah. Landau aber verwies ihm das mit den Worten.- „Wenn Ihr werdet essen können wie ich, dann dürft Ihr auch fasten wie ich." Der Oberrabbiner war nämlich ein starker Mann, aß innerhalb 24 Stunden nur einmal, da aber viel z. B. einen ganzen Truthahn. Als er starb begann Rabbi Elazar Fleckles. der ihm die Leichenrede halten sollte, also: Mein Lehrer und Meister! Wer ist werth dir das letzte Wort in's Grab nachzurufen. Lehrer stehe aus und halte dir selbst die Leichenrede. Eine eigenthümliche Person war Leserl Bochur, der das Fiakergeschäft profeffionsmäßig trieb, aber durchaus kein Laie in theologischen Dingen war. Von ihm sind, noch einige Schwänke im Angedenken z. B. Am Versöhnungstage kam der Chazan bei der Aboda nicht auf. Da sagt Leserl ganz im österreichischen Fuhrmannsstyl: „Das Luder fressen wills nit und ziehen wills a nit." Auf die Frage, warum er beim Sündenbekenntniß nicht an die Brust klopfe, antwortet er: „Wozu klopfen, ich habe ja den Hausschlüssel bei mir." Er lernt mit seinem Sohne den 1. Theil des Religionskodexes. Als sie an der letzten Zeile einer Seite angelangt waren, fragt der Knabe „Vater, sollen wir umwenden?" „Nein," antwor-