Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 313)
- Language
- German
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— 278 - geist einen Rabbi, kennt doch Gott ohnehin unsere Noth und blickt in jede Falte unseres Herzens? Darauf erwiderte der Rabbi: Warum läßt man den Nachtwächter die Stunde ausrufen und sich aus dem Schlafe aufstören? Glaubt Ihr, man trägt ihm das Schreien auf, damit die Stadtbewohner' wachen? O! nein. Wir lassen uns wecken, damit wir sicher seien, daß der Nachtwächter wache. 6. Geistreiche Persönlichkeiten. Rabbi Ezechiel Landau, eine hervorragende talmudische Autorität, kam als junger Mann auf den Rabbinatsstuhl zu Prag. Als er das erste Mal dem Kollegium präsidiren sollte, und an die damals in Mode gekommenen Sessel nicht gewohnt, schwer dazukäm, sich den Sitz zurecht zu legen, rief ihm Salomon Koref (Vater des nachmals so berühmten Hardenberg'schen Leibarztes) persiflirend zu: „Rabbi! mir scheint der Stuhl ist Euch zu hoch." — Landau antwortet mit einem vielsagend geringschätzigen Blicke auf die Versammlung: „Nein, Ihr irrt Euch, der Tisch ist mir zu niedrig." Er war außer seinem Wissen ein praktisch-kluger Mann. Seinem Freunde Wolf Zappert rieth er einmal lebhaft ab, für einen Bekannten zu akzeptiren. „Wenn du bares Geld herleihest, kannst du, wenn die Sache nächstens bedenklich scheint, ganz gut sagen , du habest heute keine Kasse; aber du habest heute keine Dinte, um akzeptiren zu können, läßt sich füglich nicht sagen." — Einer seiner zahlreichen Jünger wurde bei ihm wegen heimlichen Studiums der französischen Sprache verklagt.