Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 295)
- Language
- German
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— 260 ' Käselein weg! — Dagegen erzählen die Kolliner von den Bumislern ein artiges Stücklein: Hersch faßte sich einmal ein Herz, nimmt Hut und Stock, um nach Prag zu gehen und sich die Hauptstadt anzuschauen. Mein Weib, bleibe fein daheim, sieh auf das Haus, nimm alles in Obhut, binnen weniger Tage bin ich wieder hier. So betritt er denn die Landstraße, die nach Prag führt, und schreitet gemächlich fürbaß. Da erhebt sich ein Wind, Hersch schnallt seinen Mantel ab, um sich darein zu hüllen, da er aber gegen den Wind geht und daher gehindert ist, den Mantel umzunehmen, macht er eine Wendung nach rückwärts mit dem Vorsatze sich nur den Mantel zu befestigen und dann wieder in der Richtung nach Prag zu gehen. Aber das Letztere hat Hersch zu thun vergessen. Der Mantel war wohl zugeknöpft bis an den Hals, aber Hersch denkt nicht mehr daran, daß ihm jetzt Prag im Rücken liege, und er wieder rüstig nach Bumissel gehe. Da kommt er an's alte wohlbekannte Thor, vermeint aber vor Prag zu stehen, und wundert sich nur, daß das Prager Thor dem vom Bumissel auf ein Haar gleich sei. —Er schreitet durch die erste Gasse, und ruft bei jedem Hause ganz erstaunt: 0s bsos (Buchstabe für Buchstabe) wie in Bumissel. Er kommt vor sein eigenes Haus, das treue Weib sitzt auf der Bank vor der Thüre, die spielenden Kinder um sie herum. Da geräth Hersch in gewaltigen Zorn, und schreit sie an: „Was läufst mir bis nach Prag nach, und hütest nicht unser Haus daheim." Ein Rabbi Israel Landau sieht zum Fenster, das in seinen Hof gehet, hinaus, und bemerkt einen Dorfjuden,