Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 296)
- Language
- German
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261 der einem natürlichen Bedürfnisse allzubequem nachgibt. He! Landsmann, ruft er ihm zu. Wo haltet Ihr Euch auf? (wo habt Ihr Unterstand?) Bei der Merle (ein bekanntes Einkehrhaus für Landjuden) war die Antwort. Thuet mir den Gefallen, lieber Freund, und haltet Euch ein andersmal bei mir auf, und thuet dafür das bei der Merle, womit Ihr meinen Hof so eben bedacht habt. Ein anderes Objekt, das sich die Spottsucht des Ghetto auserwählte, war die von der Regierung aufgenöthigte Volksschule, die nun den Namen Normalschule führte. In der Manier talmudischer Interpretation, die oft durch Veränderung des Vokalgehaltes dem Worte eine andere als die im Texte beabsichtigte Deutung gibt, riefen die Orthodoxen: Lies nicht Normalsondern : Nur Maulschule. Ein Stichblatt des Witzes waren die Lehrer dieser Schule, und hat Einer von diesen noch das Malheur im Rufe der Affektation zu stehen, so blieb er zeitlebens der Sündenbock und Prügelknabe der Schule. Einer der letzten Direktoren war der Lehrer Winternitz, ein sehr achtbarer Mann, der aber das Unglück hatte, sich in der Wahl des Ausdruckes zu vergreifen und in dem sehr ehrenwerthen Bestreben, den Jargon auszumerzen, oft gut deutsche Ausdrücke substituirte, denen man eine Lachen erregende Nebenbedeutung geben kann. Diesem armen Manne dichtete man eine schwere Menge ungeschickter Reden an und brachte so eine ganze Ladung lustiger Stück? chen, zusammen, die unter dem Namen „Winterniziaden" kursirten. Hier einige davon: