Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 294)
- Language
- German
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— 259 — ßigen," — ja die Ghetti haben ihre Schilad, Krähwinkel und Schöppestätt, von denen allerlei possierliche Dinge erzählt werden. Ueberdieß hat jedes Ghetto seinen Spitz- und Oekelnamen. Die „Bumisler" (Bunzlauer) gelten als die albernsten, die Kolliner als die verschmitztesten, die Münchengrätzer als die Gespreiztesten, wieder andere werden Näscher, Leckermäuler, Stolznikel ü. s. w. genannt. In Bumissel ließ einst ein vorsorglicher Vater für seine Tochter Ehepakten verfassen, worin die schlaue Klausel vorkam: „Der Gatte verpflichtet sich seine Frau durch Arbeit zu ernähren, sollte diese jedoch eine Witwe werden, so ist's der Gatte und nicht die Frau, die zur Erhaltung des Hauses in Dienst gehen müsse." In Kollin hatte ein Mann das Recht in seiner Wohnstube Gottesdienst abzuhalten, und richtete einen Schrein, auf dessen Gesimse seine Gattin kleine Käsekegel zum. Trocknen geschichtet hatte, zur Bundeslade ein. Die Kohanim sollen den Segen spenden, treten vor die Lade mit verhülltem Haupte. Mein Sohn, sagt der Vater seinem Knäblein, sieh nicht auf die Kohanim, denn auf ihnen ruhet die Schechina (Gottes Abglanz) die kein Sterblicher ungestraft ansehen darf. Die Kolliner Kohanim, auf diesen Volksglauben zählend, räumen unterdessen die Käseklötze ab, und stecken sie in die Tasche. Der kleine gewarnte Knabe aber ist trotz dem Verbote des Vaters sehr lüstern, die „Schechina" zu sehen, er blinzelt heimlich nach den Kohanim, sieht ihr Treiben und schreiet dann, während alle Leute in Andacht versunken sind, ganz laut: Vater die Schechina stiehlt uns alle 17*