Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 276)
- Language
- German
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— 241 -r ihm Zielscheiben ab„ in die er sicher und überraschend trifft. Und diese Furchtlosigkeit ist aber Folge seiner Gutmüthigkeit. Das Bonmot ist sich selbst Zweck, hat keine Tendenzen, ist neckisch ohne verletzen zu wollen, und trägt darum keine Scheu sich sogar an die Gottheit zu wagen. Dabei ist der Witz lehrreich, artet selten in Witzbolderei aus, und hat zumeist einen ernsten Hintergrund. Nicht so glücklich wie das Wesen ist die 'Form des jüdischen Witzes. Der Ghettowitz ist nämlich meistens Wortspiel, Paronomasie und Allusion. Zum Wortspiele gibt der Jargon, der von aller Grammatik und Orthographie entfesselt ist, und zur Anspielung das reich auSgebildete rituelle Leben, der viel verzweigte öffentliche wie private Kultus den Boden her. So bewegt sich die Paronomasie zumeist in den widrigen Formen der Sprachkorruptelen und zum Verständniß der Allusionen ist oft eine gründliche Belesenheit in Bibel, Talmud und späterer Literatur unerläßlich. Dieser Umstand erschwert die stylistische Fassung dieser Bonmot's in nicht unbeträchtlicher Weise. Wie will man der gegenwärtigen Generation dergleichen Witze verständlich und mundgerecht machen? Soll ein Kommentar sich hinter jeder Anekdote einherschleppen? Dann verlöre der Witz, der rasch und mit einem Knalleffekt zu enden bestimmt ist, an Schlagfertigkeit und Wirksamkeit. Oder soll die Verdolmetschung als Quartiermacher vorangehen, die Zurüstung treffen, damit dann die Rakete giur angezündet zu werden braucht, um lustig und ohne weiteres Hinderniß aufzublitzen und zu verpuffen? Das hieße wirklich einen langen Rock um 16