Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 275)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6941-3183964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
240 die Kenntniß unseres Stammes in dem komischen Elemente zu finden ist. Sprechen wir zuerst vom Witz. Der Witz war oft die einzige Blume, die unseren armen, gehetzten Vätern aus einem von Thränen benetzten öden Boden wuchs, und einige Heiterkeit in dem Jammer eines qualerfüllten Lebens zuließ. Schon das ist bezeichnend für den Volkscharakter und schon um dessen Willen verdienen diese Witze eine pietätsvolle Aufbewahrung. Die Lebendigkeit des Geistes, glückliche und sinnreiche Vergleichungen aufzufinden, die Dinge in Beziehungen zu setzen und eine Wechselseitigkeit zwischen den heterogenen Begriffen herbeizuführen, der Reichthum und die Mannigfaltigkeit der Jdeenassoziation, die rasch und schnell die Brücke zwischen den schroffsten Kontrasten findet, ist ein wahrer Segen für ein Volk, das unter fortwährenden Fährlichkeiten und Bedrohnissen zu leben gezwungen ist, und dem die trostlose Wirklichkeit ein Medusenhaupt ist, bei dessen Anblicke alle Pulse stocken und das Herz erstarrt. Was wäre aus dem jüdischen Volke geworden, würde ihm nicht jene Leichtlebigkeit, die den Witz erzeugt, zur Seite gestanden sein? Der Unglückliche hat nur zwei Mittel sich zu entladen : — Den Thränenregen und den B l i tz der Ironie. — Dabei ist der jüdische Witz gutmüthig, ohne Erbitterung und Böswilligkeit, aber äußerst schlagfertig und furchtlos. Er fährt über Alles her: Erhabenes und Niedriges, Göttliches und Weltliches, die Heiligkeit wie die Verderbtheit, ja die eigenen Leiden und Qualen geben