Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 274)
- Language
- German
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239 für nöthig erachtete. Ich halte mich überzeugt davon, daß ich damit Reliquien aus einer niedergegangenen Generation aufbewahre, welche den künftigen Etnographen des jüdischen Stammes sehr brauchbares Materiale liefern werden. Allerdings ist die blos erjagte und gewaltsam erfundene Anekdote, sowie das im Wege der Fabrikation zu Stande gebrachte Bonmot im hohen Grade widerwärtig und läppisch. Der Humorist ex officio, der allezeit getreue Spaßmacher führt ein klägliches Leben und wird es noch lange währen, ehe die Lorbeeren für die Schalksnarren der Jahrhunderte gewachsen sein werden. Ein anderes aber ist es mit der ihrer selbst unbewußten Anekdote, sei sie Wortspiel, Sachwitz, drollige Situation, lächerlicher, aber aus dem Gesammtleben sich ergebender Vorfall, Aeußerung der Naivetät. Diese sind unfreiwillige Enthüllungen des innern Wesens, unabsichtliche und daher verläßliche Offenbarungen des Geistes und des Gemüthes, und gerade daran ist das Judenthum so reich, daß man ein eigenes Archiv dafür anlegen dürste. Man hat in neuerer Zeit mit vieler Pietät für Conservirung jüdischer Denkmale gesorgt. Bibliotheken haben sich zu Speichern erweitert, die Früchte ernsten Forschens und Denkens aufbewahren, Novellen und Genrebilder zeichnen das Gemüth, das Familienleben und die sozialen Verhältnisse der Juden in der eben niederdämmernden Zeit. Ja man sammelt Grabschriften, Autografen, Korrespondenzen , Genealogien und der Himmel weiß was noch für Residuen und Abfälle aus den ftühern Jahrhunderten — und vergißt, daß die reichste Ausbeute für