Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 273)
- Language
- German
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238 Nun weiß ich zwar diese Vorsorglichkeit für die Erhaltung der schriftthümlichen Standeswürde, welche sich das „Jahrbuch" unter den Kalendern errungen hat, wohl zu schätzen, ich begreife es, daß auch in der Bücherwelt ein Rangunterschied bestehet , und daß man das Recht habe, an der tabis d’hote solcher vornehmer« Sammelschrift ein anderes Menu zu erwarten, als Gerüchte, die man den Stammgästen der literarischen Taschenkneipe vorsetzt. Allein ich denke eben nicht so wegwerfend und verächtlich von dem Werte der Anekdoten und Bonmots, von ihrer Bedeutung für Völkerpsychologie und Charakteristik der Nationalitäten, als daß ich eine reichhaltige Kollektion derselben, wie sie mir eben vorliegt, wegweisen sollte, und es freuet mich, daß ein Mann von eminenten Gaben, ein sehr beliebter Literat, der den Lesern dieses Buches nicht unbekannt ist, in diesem Punkte ebenso wie ich denkt. Ein liebenswürdiger deutscher Schriftsteller, der in dem Prager Ghetto, das sogenannte „Licht der Welt," so weit es durch verkleisterte Fensterscheiben zu dringen vermochte, erblickt hat, und dessen Jugendreminiszenzen noch immer mit dem alten Gerölle zusammenhängen, so sehr der Geist darüber hinausgewachsen ist — fand es nämlich nicht unter seiner Würde, selbst erlebte und gehörte jüdische Bonmots, mitunter landläufige Ghettowitze und Anekdoten aufzuzeichnen, und mir durch dritte Hand die Kollektion zur Verfügung zu stellen, die ich aus guten Gründen hie und da durch Pendant's zu bereichern ,, wieder anderwärts von der Ueberproduktion zu entlasten und endlich fast durchweg anders vorzutragen