Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 212)
- Language
- German
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177 III. Der dritte Cempel. Der Name des jüdischen Volkes hat kern Blatt in der Geschichte der Baukunst; der Geist dieses eigenartigen Theiles der Menschheit ist mehr auf das Praktische, Realistische und Ethische, weniger aber auf das rein Künstlerische, das sich selbst Zweck ist, gerichtet. Wenn das jüdische Volk dennoch in den Annalen der Baukunst erwähnt wird, so geschieht es nur um jener zweier Tempel willen, welche einst in Jerusalem die Centralstätte des nationalen Cultus bildeten. Diese alten jüdischen Kunstbauten sind längst zerstört, und wenn wir die große Basilika der Juden in Alexandrien ausnehmen, so gibt es kein hervorragendes Baudenkmal mehr, welches den jüdischen Namen verewigte. Wohl aber waren die Juden nach der Zerstörung Jerusalems Baumeister im Reiche des Geistes. Der Talmud nennt die Männer des Geistes gradezu Bauleute, und in der Zerstreuung.-haben sie einen neuen, den dritten Tempel aus dem alten Baumaterial des Judenthuiqs aufgeführt! Die Priester dieses Tempels richten an Jeden, der in die heiligen Räume einzutreten wünscht, drei Fragen : 1. Glaubst Du an einen Weltengott? 2. Glaubst Du an göttliche Lehren, welche das Ebenbild des Menschen herausarbeiten, entwickeln und vervollkommnen zur Heiligkeit oder höchsten Sittlichkeit? 3. Glaubst Du', daß das Thun und Lassen, des Menschen belohnt oder bestraft wird? Wer diese drei Fragen bejaht, dem öffnen sich die Pforten des neuen Tempels! Und wenn er eintritt, so findet er dort eine 12