Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 199)
- Language
- German
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— 164 — In diesem Widerstreit der auf ihn einstürmenden Empfindungen stürzte er sich fast willenlos in den Taumel der Freude hinein. Nachdem er eben einen guten Schluck gethan forderte er seine Rosa zum Tanze: Komm Rosel-Leben! — rief er hocherglüht — heut wollen wir ein Mal lustig sein. Ich Hab' nur eine einzige Schwester und du hast nur eine einzige Schwägerin. Komm, mein Kind! die Musikanten sollen uns Eins aufspielen, wir wollen ein Hopser machen. Probiren wir, ob wir's noch nicht vergessen haben! Mit verschämten, hochglühendem Angesicht kehrte Rosa ihren Kopf an seine Wange und flüsterte ihm einige Worte ins Öhr. Es muß etwas herzbeglückendes gewesen fein, was er da vernahm, denn er wußte sich vor Freude nicht zu fassen. Fast außer sich sprang er mit beiden Füßen zugleich in die Höhe, wie ein muthwilliger Knabe auf dem Spielplatz; rasch aber kehrte die männliche Besonnenheit zurück. Zärtlich nahm er Rosa bei der Hand, setzte sie auf eine der längs den Wänden angebrachten Bänke; er selbst setzte sich zu ihr und schweigend saßen sie neben einander bis lange nach Mitternacht. Er wich nicht von ihrer Seite, an Musik und Tanz dachte er nicht; es beschäftigte ihn ein weit beseligenderer Gedanke. Alles, was sich da um ihn herumdrehte, schien ihm wie ein Märchen, er selbst darin als König und seine Rosa die Königin. Sein inneres Glück wollte ihm fast das Herz zersprengen.