Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 198)
- Language
- German
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sie eine Mutter dem Kinde, das sie unter dem Herzen getragen, nur jemals äußern kann. Eine mächtige Wandlung schien sich im Gemüthe dieser Frau in kurzen Stunden vollzogen zu haben. Die reine Mutterliebe war erwacht und hatte im Kampfe mit der an dem Herkömmlichen festhaltenden Anschauung den Sieg davon getragen. Man ging zur Trauung, man kehrte,wieder heim. Man setzte sich zur reich beladenen Hochzeitstafel, man hatte sich von derselben wieder erhoben. Man ging zum Tanz in die Hochzeitsstube und wollte den Tag in Fröhlichkeit beschließen. Man gab sich der Lust um so ungebundener hin, als man sich durch den Vorgang am Morgen den ganzen Tag über in der Aeußerung der Freude einen Dämpfer aufgesetzt hatte. In einer merkwürdigen Stimmung befand sich Joffes. Er wußte nicht, sollte er sich über das unvorhergesehene Ereigniß freuen oder betrüben. Es war eben sem Schicksal niemals klar zu sehen! Es mußte ihm wehe thun, daß der Mutter wieder ein so unnennbarer Schmerz bereitet worden war; denn wer sollte es besser wissen als er, wie tief seine Schwester das Herz der Mutter verwundet haben mußte! er konnte aber andererseits wieder nicht umhin, in dem Vorfall eine Wendung zu erblicken , die vermuthlich auch sein Geschick in günstiger Weise entscheiden mußte. Kann denn die Mutter der Schnur noch ferner als Verbrechen anrechnen, was sie bei der eigenen Tochter duldet? Kann sie die Schwieger tochter noch ferner verfolgenoder gar verstoßen wollen ob einer Sünde, die sie dem eigenen Kindenachsieht?