Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 171)
- Language
- German
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136 Frauen in jüdisch deutscher Sprache, das heißt in deutscher Sprache mit hebräischen Lettern, wie es in der »Gasse" üblich ist. Ich Hab' dir eine „Tchinah" mitgebracht — sagte Iossef — damit du am Sabbath nicht ein deutsches Buch in Schul mitzunehmen brauchst. Rosa nahm von nun an jeden Sabbath ihre „Tchinah" mit in Schul, und las aus derselben das eine oder andere Gebet; ihre eigentlichen Gebete aber brauchte sie aus keiner Vorschrift, aus keinem gedruckten Buche herauszulesen, sie dürste ihren eigenen Gedanken und Empfindungen nur fteien Lauf lassen, und gewiß, nie stieg ein reineres Gebet zum Himmel empor, als dieses, so aus dem unschuldvollsten Herzen des tugendhaftesten Weibes sich loslöste. Nun, Mutter-Leben! was sagst du, wie fein sie ihre „Tchinah leinen" thut! — fragte Iossef. — Sie ist wirklich eine gute Seel, und thut Alles in der Welt, was man von ihr haben will. Letzthin Hab' ich ihr da die »Tchinah" von Brünn mitgebracht, und wie ich hör', »leinen" wenig Weiber so fleißig aus der „Tchinah," wie sie, wenn sie in Schul ist! Und was hast du mit der „Tchinah"? Reich wie einen König macht sie mich damit! Packetel! Um eine Welt ist mir leichter! Ob sie ja „Tchinah leint" oder nicht. Kommt es denn allein da darauf an? Ein Weib, was die „Krasche" hat mit dem eigenen Haar, wie ein ledig Mädchen, in Gottes Haus hineinzutreten — nicht gedacht soll es werden! Kannst du denn meinen, daß