Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 172)
- Language
- German
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Gott der Lebendige das anhört, was so Eine zu ihm beten thut, die da mit dem eigenen Haar sitzt? Gott sieht auf das Herz! — sagte Jossef. Und auf die Haar' nicht? — fügte die Mutter hinzu — auf die Haar auch! Du kannst mir's glauben, er sieht auf Alles. Jossef konnte dagegen nichts einwenden. Er that, was er in solchen Fällen schon oft gethan; er machte der unliebsamen , Unterredung ein Ende, indem er fort ging. Es,.nahte das „Purimfest" heran. Am Bersöhnungstage hatte Rosa gefastet, so gut wie alle anderen Frauen in der „Gasse." Seit dem Bersöhnungstage war aber auch noch ein anderer Fasttag verstrichen, der zehnte Tag im Monat „Teweth" — der Tag, an welchem die Belagerung Jerusalems begonnen. Diesen Fasttag hatte Rosa nicht streng gehalten. Sie hatte nur bis Mittag gefastet; zu Mittag aber hatte sie ein Weniges gegessen. Die Schwiegermutter hatte damals nichts gesagt, sondern wie immer sich ihr Theil gedacht. Run aber da mit dem Purimfeste auch der Fasttag-Esther heranrückte, nahm die Alte den Sohn ein wenig auf's Korn und sagte: Laß mich hören Jossef, was wird sie am Fasttag- Esther zu Mittag für ein „Mineschterl" (ausgesuchte Speise) essen? Wie so? — fragte der Sohn bettoffen. Nun, ich mein — fuhr die Mutter fort — sie wird doch mit Gott's Hilf nicht mit leerem Magen zu den „Megillah" (zum Vorlesen der Chronik) gehen! Der Sohn verstand den Vorwurf.