Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 169)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6835-3183858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 134 — Knirschend vor Wuth kam sie nach dem Mussaphgebete aus der Synagoge nach Hause. Da sie mit ihrer Schwiegertochter nicht sprach und deren Stube nicht betrat, so entlud sich ihr ganzer Zorn selbstverständlich auf das unschuldige Haupt des Sohnes. Sie wird mich noch mit der ganzen „Gass" verfeinden — begann die Mutter — das ist ein Herzbrechen, was ich nur erleb! Mir soll man solche Sachen sagen dürfen! Und ich, Kreßel Reb Maierns soll sich solche Sachen müssen „vorrathen" (vorrechnen) lassen.und soll dazu schweigen müssen! Warum, wer Butter auf dem Kopf hat, darf nicht in die Sonn' gehn. Und sind sie denn nicht gerecht? Was geht denn vor? — fragte der Sohn kleinlaut. Was soll vor gehn? frag' du dein Weib, was ihr Jentel Kohn gethan hat, daß sie ihr nicht wünschen geht, wenn sie eine neue Häub' an hat? Und das ist Alles? — fragte Jossef. Alles? noch Mehr soll eö sein? ist das nicht genug? soll sie Steine in die Schul mitbringen und sie den Weibern an die Köpf' schmeißen? Da daran ist sie unschuldig — wagte der Sohn einzuwenden — sie ist hier fremd , sie kennt unsere hiesige Gebrauche noch nicht. Von wannen soll sie wissen, daß Jentel Kohn eine neue Haub' an hat? Von wannen sie es wissen soll? was ist das für eine Red? Und von wannen wissen es denn die anderen Weiber? Ist sie denn blind? sieht sie denn nicht, was in Schul vor geht? sieht sie denn nicht, daß alle anderen