Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 168)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6834-3183857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
133 spruch, welcher üblich ist, wenn man eine große Gefahr glücklich überstanden hat. Ephraim war eben von einerschweren Krankheit aufgestanden. Zentel, Ephraims Weib hatte sich -für den Sabbath eine neue Haube machen lassen. Während der Wiedergenesene unten in der Männerschul den Segen sprach, drängten sich oben in der Weiberschul sämmtliche Frauen zu Jentel, um ihr zu der neuen Haube, die -sie'auf hatte, zu „wünschen.« Eine der Frauen hatte sich nicht zu ihr hinbegeben, ruhig blieb sie auf ihrem Platze mnd that, als ob sie dieß ganze Getreide gar nichts anginge. Es war Rosa — Kreßels Schwiegertochter. Dieß Benehmen fand allgemeine Mißbilligung und erfuhr strengen Tadel. Man legte ihr dasselbe als Unfreundlichkeit und Stolz aus. Das heißt sich etwas eingebildet auf ihre rothe Haar! — sagte die Eine. Sie meint, weil sie die eigene Haar' tragen thut, ist sie etwas anderes, als wir sind — meinte die Andere. Und was wär' gewesen, wenn Euer Schnur zu Jentel Kohn die paar Schritt hingegangen wär, ihr zu wünschen? — wendete sich eine Dritte an Kreßel. Die Füß' wären ihr wirklich nicht Heruntergefaüen! — fügte eine Vierte hinzu. Kreßel verging vor Scham. Ihr sollte es zukommen, daß man ihr mit Recht einen Vorwurf machen dürfte! und sie konnte nicht läugnen, daß die Frauen mit ihren Borwürfen im Rechte seien.