Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 151)
- Language
- German
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116 tochter gewußt hätte, daß sie nur aus Liebe zu ihr sich des Wortes anstatt des strengeren Mittels bediene. Jetzt aber würde die Schnur in dem Worte nichts anders erblicken, als die Ohnmacht schärfer zu verfahren. Und dieß Gefühl beklemmte der Frau das volle Herz und machte ihre Lippen stumm. So schwieg sie denn und daraus erzeugte sich begreiflicherweise jene Spannung, die überall da entstehen muß, wo die im Konflikte mit einander begriffenen Personen kein Wort der Verständigung finden. Die Mutter schwieg und schluckte ihren Schmerz still in sich hinein, in demselben Maße aber als ihr die Macht genommen wurde, auf die Schwiegertochter einzuwirken, in demselben Maße erregte ihr auch deren bloßer Anblick die allerunangenehmsten Empfindungen und die frühere Liebe verwandelte sich in Haß. Ja, sie haßte ihre Schwiegertochter und sie machte kein Hehls daraus, sie sah in diesem offenen Bekennen ihres Hasses noch das einzige Mittel, sich selbst, das heißt ihre Ehre zu retten und ihren unbescholtenen Ruf in der „Gasse" zu bewahren. Jndeß erfüllte sie die Nothwendigkeit solchen Bekenntnisses mit tiefem Schmerz. Was soll ich thun? —sagte sie sich, wenn sie die Lage überdachte, und sie überdachte sie oft genug — was soll ich thun? ich bin in eine Kothlack' hineingestiegen, drinnen bin ich und kann mir nicht helfen. Hineinsteigen ist leichter als Herauskommen. Es kann sich Keiner weher thun, als wie der Mensch selbst. Ich war es, die am meisten für die Partie gewesen ist. Ja, es ist wahr, mein Jossef-Leben hat sie gern gehabt; aber was ist noch der