Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 148)
- Language
- German
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— 113 — dieß Sache des Rabbiners und deßhalb schlug er vor, man möge ,zum Rabbiner schicken und ihn dazu bestimmen, über das Tragen der eigenen Haare in Schul eine Predigt zu halten; das werde mehr nützen, denn die ganze Welt wird wissen, auf wen es gemünzt ist, und so wird sich Jossefens Weib die Augen aus dem Kopf heraus schämen, wenn sie alle Weiber beständig angucken werden und dann werde sie sich gewiß sogleich ein Scheitel anthun. Noch manche heilsamen Rathschläge wurden ertheilt und noch manche wurden auch verworfen. Man kam zu keinem Entschlüsse. Es herrschte eine große Aufregung in der „Gasse"; dagegen war es in Kreßels Hause daheim ziemlich still. Die meisten Leute hatten sich zurückgehalten am Sabbath Nachmittag dem jungen Ehepaare den üblichen Besuch abzustatten; darüber herrschte Verstimmung im Hause. Die Mutter sprach nichts und die anderen schwiegen. Mitten in dieser Verstimmung gab es zwei heitere Gemüther, die sich gegenseitig wie im stillen Einverständniß eines Erhabenseins über die Kleinlichkeiten der Welt, selig anlächelten— es waren Rosa und Blümele, in ihrer vollen Schönheit erschlossen die erster«, letztere eine zarte Knospe unter der schützenden Hülle des grünen Blätterwerks. Nachdem Reb Zoichene Freiburger wieder in seine Heimat zurückgekehrt war, begann sich die Stellung der vier Personen, welche hier den kleinen Haushalt bildeten, gegeneinander etwas schärfer auszuprägen. Iossefs Mutter war eine gute, rechtschaffene und fromme Frau; letzteres war nicht nur ihre Tugend, sondern auch ihr Fehler; denn sie war fromm, nicht durch 8