Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 146)
- Language
- German
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111 meiden suchte, was den Schwiegervater reizen könnte und deßhalb zwang er seiner Mutter in dessen Gegenwart das Versprechen ab, keine Gewalt und keine andern Mittel anzuwenden, als diejenigen, die sein Schwiegervater eben als erlaubte anerkannt hat. Zureden — sagte Iossef — kannst du ihr Mutter- Leben! zureden werd' ich ihr auch aber nur nicht mit der Scheer in der Hand. So standen die Dinge, als der Sabbath herankam, und die fromme Kreßel mußte den Schmerz erleben , daß ihre Schnur, die mit ihrem Sohn unter der „Chuppa" gestanden, wie ein ledig Mädchen mit eigenem Haar in die Synagoge gieng. Der Vorfall machte nicht geringes Aufsehen in der „Gasse." Es war ein unerhörter Fall. Noch nie seitdem die Gemeinde besteht hatte sich ein ähnlicher Fall ereignet. Staunen, Ueberrafchung, Zorn und Entrüstung las man auf allen Gesichtern in der Männerschul und in der Weiberschul. Zwar spuckte man ihr nicht in Gesicht, wie Kreßel befürchtet hatte, aber was man von ihr sprach, das war gar wohl die Erfüllung ihrer Unglückprophezeihung, daß man ihr und ihrer Schnur die Jahr verschelten werde. Nur wenige waren einsichtsvoll genug sich zu sagen, daß die Schwiegermutter doch dafür nicht verantwortlich sei, was die Schnur auch für Sünden begehe; andere waren minder nachsichtig und meinten streng und scharf, sie wollten es wohl sehen, ob man mit so einer Person nicht fertig werden könne, wenn man es nur ernstlich will und die rechten Saiten aufzieht.