Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 136)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6802-3183825- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
101 zeit mich Hab gewöhnen müssen die Supp erst dann aufzugeben, nach dem die Fisch aufgegessen waren? So wie hier in der Hochzeitsstube nur mit anderen Variationen wurde dasselbe Thema auch in der „Gasse" und in allen Häusern derselben besprochen. Wo man hinkam hörte man nichts als von Rosa Freiburger und ihrem eigenen Haar. Als man zur „Chuppa" (Trauung) gehen sollte, nahm sich die Mutter den Sohn auf die Seite und raunte ihm ins Ohr: Ich bitt dich Jossef-Leben! deine Braut mög vielleicht auch nicht fasten heut' am „Chuppatag!'" Auf Rosel soll ich sagen. Ja, Mutter-Leben! sie thut fasten und noch dazu ganz ehrlich, du kannst d'rüber beruhigt sein; du thust ihr Unrecht! Nu — sagte die Mutter —soll sie schon denn gar so schlecht sein, daß sie nicht fasten soll am „Chuppatag;" aber denk' dir, nur Jossef, deine „Kalle" (Braut) soll zu der „Chuppa" gehn und das Haar nicht abgeschnitten haben. Daß ich das erlebt Hab! Das hätt ich mir auch nicht vorgestellt. Wenn es auf mich allein möcht ankommen, jetzt noch, jetzt noch möcht ich Alles steh'n und liegen lasten und heim fahren; sollen sie dann Hochzeit machen, wenn kein Bräutigam da ist. Thu nur nicht wieder von Neuem anfangen — sagte der Sohn. Du mögst mir's glauben ich habe heut früh schon genug gehabt; ich hätt lieber verloren - tausend Gulden.