Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 137)
- Language
- German
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102 Ich denk' mir auch, was ich mir denk — sagte die Mutter mehr zu ihrer eigenen als des Sohnes Beruhigung — int Ernst so, wie Blümele-Leben gesagt hat. Ein' eisernen Kopf hat das Kind; bei mein gesund, ich war nicht darauf verfallen, wenn sie mich nicht darauf gebracht hält. Laß nur geh'n, bis wir wieder zu Guten daheim sein werden, dann werden wir schon sehen, wer die Frau ist im Haus ob ich oder sie. Daheim kannst du machen was du willst — sagte Iossef — mach nur hier weiter kein Gelärm und Ihn' dich nicht „sachten" (ärgern). Warum, ich schäm mich, die Augen aus dem Kopf heraus. Die Mutter versprach, sich ruhig und beobachtend zu verhalten und mit diesen gegenseitig gemachten Zugeständnissen hatte die geheime Unterredung denn auch ein Ende. Es lief alles ruhig ab. Man gieng zur „Chuppa," das Paar wurde ohne weitere Störung getraut. Nach der Trauung führte man Braut und Bräutigam zum „Hühndelessendoch genossen beide wenig von der ihnen vorgelegten Speise. Die vorausgegangene Aufregung war zu groß gewesen, als daß sie eine rechte Eßlust bei ihnen hätte aufkommen lassen sollen. Abends rüstete man sich zur großen Mahlzeit. Da wurden zwar die guten Geister ein wenig entfesselt, der Wein, die Musik, das Aufrufen «der Hochzeitsgeschenke durch den Schalksnarren hatten den bösen Dämon theilweise zu verscheuchen gewußt; aber die Hauptpersonen, namentlich die Mutter des Bräutigams kamen aus ihrer düstern Stimmung