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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1868-01-01 · Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868) · p. Seite 96

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 96 (sequence 131)
Language
German
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96 dem sie sich von dem ersten Eindrücke des Schreckens erholt hatte — hat man es je gehört, daß eine Braut solche Nareschkeiten wagt und sich am Chuppetage nicht will das Haar abschneiden lassen? Bei Euch drüben hört man das nicht, bei uns hier hat man so etwas schon erlebt! — ließ sich eine Stimme vernehmen. Frau Kreßel erkannte diese Stimme allsogleich, sie gehörte der Sprecherin vom vorigen Abend an, und diese war Niemand anders, als die Muhme der Braut. Was Hab' ich von Euren Reden — fuhr Kreßel fort — ob bei uns drüben, oder bei Euch hier. Was soll das vorstellen, bei uns drüben? haben wir bei uns drüben denn einen andern Gott? oder habt Ihr bei Euch da eine andere Thora? Bei Euch drüben ist es noch sehr finster — sagte die Muhme Esterl, denn dieß war ihr Name. Finster! sagte Frau Kreßel — ja bei Nacht! Nein, bei Tag auch — sagte die Muhme Esterl — Gott verlangt das nicht, daß man sich ein schön Haar soll abschneiden lassen. Gott verlangt das nicht? — rief Kreßel entrüstet — wie heißt Gott verlangt das nicht? wer denn? wer denn verlangt es? Ihr! nur Ihr verlangt das. Ich verlang' es? Ja, ja, Ihr verlangt es! Verlangt Jhr's nicht? was macht Ihr sonst für ein Gelärm. Ihr werdet mir noch ein Kind im Bauch einreden; ich werd mich von Euch aber nicht verrückt machen

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