Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 132)
- Language
- German
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97 lassen. Red't Ihr, Reb Ioichene! Ihr seid der Vater von Eurem Kind. Befehlt, daß sie sich gleich soll lassen das Haar abschneiden. So etwas befehl ich meinem Kind nicht. So etwas macht ein Jeder mit seinem eigenen Gewissen aus. Wenn mein Rosel-Leben will, soll sie's meinetwegen thun; will sie nicht, auch gut; stärker wie Löschpapier bin ich nicht. Wenn es also steht — sagte Kreßel ruhig — dann ist mein Joffes - Leben kein Bräutigam und Ihr Fräulein Rosel da ist keine Braut, weiter „potsr" aus (Punktum) und wir können in Frieden wieder heimfahren, wo wir hergekommen sind. Was Ihr wollt lassen die Parthie zurückgehen am Hochzeitstage? — fragte die Muhme Esterl. Warum — fragte die erzürnte Frau dagegen — soll ich nicht lassen zurückgehn am Hochzeitstag? Schämt Ihr Euch denn gar nicht? Ist das keine Schmach und Schande? Das sagt Ihr mir? ist es nicht eine größere Schmach und Schande, daß ein jüdisch Weib soll die eigenen Haar' tragen? Komm Joffes-Leben, wir gehen! Die Bestürzung erreichte bei diesem Worte ihre höchste Höhe. Die Braut, welche bis dahin erwartungsvoll auf ihrem Platze gesessen, sprang vom Deckstuhl herunter und wollte aus der Stube flüchten und nur den Bemühungen ihrer Muhme gelang es sie zurückzuhalten. Joffes, der Bräutigam, ward leichenblaß und stürzte fast ohnmächtig seinem Schwiegervater in die Arme. Alles schrie durch einander, jeder suchte de» Andern zu beruhigen, während 7