Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Geschöpfe und Werke des Heiligen, gepriesen sei sein Name, borgen und leihen von einander, rechten aber nicht miteinander und nehmen kein Wucher einer von dem andern. Im Sommer borgt der Tag von der Nacht, im Winter leiht die Nacht vom Tag und dennoch hört man sie darüber kein lautes Wort wechseln. (Ps. 19, 4.) So leihet der Mond von den Sternen und die Sterne leihen vom Monde; der Aether von der Sonne, die Sonne vom Acther; das Genie von dem Verstände, der Verstand von dem Genie; die Gnade vom Rechte und das Recht von der Gnade; der Himmel von der Erde und die Erde vom Himmel; die Religion von der Morallehre und die Morallehre von der Religion. So leihen alle Geschöpfe einander und bezahlen friedlich einander; nur der Mensch, wenn er seinem Nebenmenschen leihet und borgt, möchte ihn in seiner Zinsengier verschlingen und vernichten! Mahnt und erinnert nicht der Wucherer Gott: Warum er von der Welt für die Geschöpfe, von der Erde, die er tränkt, von den Pflanzen, die er wachsen läßt, von den Lichtern, die er angezündet und leuchten läßt, von der Seele, die er dem Menschen eingehancht, von dem Körper, den er bemischpat nicht in der eben gezeigten Bedeutung genommen hatten Darum konnte man auch den Gegensatz zwischen den zwei Vers- Hälften nicht recht finden. Der Spruch will sagen: daß selbst der Acker der Armen, nach ökonomischen Gesetzen behandelt und bearbeitet, reichen Ertrag gibt; während mancher zu Grunde geht, weil er gegen Gesetz und Regel der Oekonomie vorgeht und den Acker naturgesetzwidrig behandelt. So enthält der Vers einen vollständigen, in sich abgeschlossenen Gedanken.