Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 39)
- Language
- German
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4 gungen des Gedankens versehen, ohne jedoch, daß das fremde Geisteseigenthum von den Originalvorträgen streng geschieden wäre. Ja man stößt nicht selten auf agadische Deutungen und Bibelauslegungen, die schon im Talmud Vorkommen, ohne daß deren Tanaitische oder Amoräische Urheber mit Namen angeführt wären. Nach unfern Begriffen von literarischem Eigenthmue könnte das befremdlich gefunden oder gar zum Plagiate gestempelt werden. Und es ist wahr, auch der Talmud hält große Stücke darauf, jedem das Seine zu lassen, und schärst es wiederholt ein, ebensowenig die Geister wie die Taschen zu plündern. Allein um sich dieses Räthsel zu lösen, braucht man sich nur die Worte Zunz's zu vergegenwärtigen, der sich in seiner meisterhaften Darstellung des Organismus der Agada also ausspricht: „Man dachte, schrieb und lehrte im Geiste des ältern Heros und für das untheilbare und einige Israel; daher verschwindet der Schreiber vor der göttlichen Autorität, der Einzelne versinkt in der Gesammtheit, und darum erscheinen die meisten Werke namenlos oder pseudonym, und statt einzelner Bücher treten uns Massen entgegen, die wie Psalter, Kethubim, Talmud, Hagada — das Eigenthum der Nation und das Resultat der Jahrhunderte sind." (Z. G. V. S. 316.) Es fiel daher Niemanden bei, den neuen religiösen oder ethischen Gedanken, den er im Gottesworte, dem Substrate aller Betrachtungen, entdeckte oder daraus hermeneutisch entwickelte, als sein ausschließliches Gut zu betrachten, noch weniger ein Eigenthumsrecht darauf geltend zu machen. Es war das vielmehr eine Frucht^