Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1867-01-01 · Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867) · p. Seite 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 164 (sequence 268)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2609281-3183019--6621-3183643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 164 — heimlicher Heiliger, der sich von der Hände Arbeit'gut ernährte, und jedesmal schon Donnerstag den ganzen Wochenbedarf heimgebracht hatte. So konnte er Freitag morgens schon die Sabbatfeier beginnen und den ganzen Tag in der Synagoge zubringen, während sein treues Weib das Haus schmückte, die Weißbrote buck, Wein, Fisch und Fleisch in Bereitschaft brachte, die Lampen zündele und die Sabbatengel zu empfangen sich Rüstete. Aber Eisik hatte nicht immer glückliche Tage, die Bestellungen wurden spärlicher, er hatte Donnerstag noch nicht so viel erworben, um die halbe Woche zu decken, was ihn jedoch nicht hinderte seine Freitagandacht fortzusetzen, und seine Zeit dem Herrn zu widmen. Die Frau saß weinend zu Hause, es war kein Geld auf Oel und Weißbrod, vielweniger auf Fisch und Wein vorhanden; aber Eisik zog es vor am Sabbate mit hungrigem Magen zu Bette zu gehen, als sich der Andacht zu entziehen, oder die Leute um ein Almosen anzutreten. Er sprach zu seinem Weibe: Fege das Haus und reinige es für Sabbat, aber sprich nicht die Wohlthätigkeit der Menschen an. Besser am Sabbate fasten, als borgen oder betteln." — Das Weib aber hatte beim Fegen der Wohnstube einen Spitzenärmel mit Silberknöpfen gefunden, ein Stück ihrer Habseligkeiten aus frühern bessern Zeilen, und das sie für verloren hielt und längst schon zu suchen aufgegeben hatte. Erfreuet ging sie zum Goldschmiede und aus dem Erlöse für die Knöpfe kaufte sie Sabbatlichter, Fisch, Fleisch, Wein und Weißbrode. Eisik kam am Abende aus der Synagoge nach Hause und war darauf gefaßt eine finstere, kalte Stube vorzufinden, und einen Tisch, dem die Gaben Gottes fehlen. Wie erschrak er, als ihm die hellen Fenster entgegenstrahlten, denn er meinte nicht anders, als daß . sein Weib Geld geborgt oder erbettelt habe, nahm sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.