Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 263)
- Language
- German
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159 Aber der wesentliche Unterschied zwischen beiden besteht doch in dem Kultus, den man mit den Führern und Spitzen der Gemeinde treibt. Dem Formelmenschen gilt sein Rabbi nichts mehr als jeder andere Jude, sein Rabbi ist höchstens der lebendige Kodex, die zweibeinige Bibliothek — aber nicht heiliger als seine Pfleglinge. Der Rabbi ist demselben Gesetze unterworfen, hat keine andere Autorität als die man ihm freiwillig einräumt und die er sich durch Gelehrsamkeit und religiösen, d. i. gesetzlichen Lebenswandel erworben hat. Der Rabbi ist Alles nur in Kraft eines Man-, dates, das ihm wieder entzogen werden kann, und sein Vorzug bestehet in der bessern Kenntniß des Gesetzes, die aber auch der Nichtrabbi zu erwerben vermag, und der dann auch wirklich sich schwer subordinirt und nicht leicht zur Einhaltung der Kompetenzgränzen sich zwingen läßt. In dieser Beziehung ist der Formelmensch freier und soweit das Gesetz es gestattet, vollkommen autonom. Dem Beschtmenschen dagegen ist sein Rebben ein Halbgott, allwissend, allgegenwärtig, allmächtig, jedenfalls Stellvertreter Gottes, eine sakramentale Person, die nicht durch eigene Würdigkeit, sondern durch Erbschaft, Tradition, Abstammung zu dieser Position gelangt ist. Der Beschtmensch hat im Rebben ein Idol, an dem Alles heilig ist: Wort und Kleid, Bart und Speichel. Des Rebben Beinkleider sind wunderthätig, wie sein Segen und Gebet, seine Sünden sind welterlösend wie seine Tugenden, die Speisereste auf seinem Teller sind Himmelsmanna wie die dümmsten Interpretationen, die er den Bibel- und Talmudstellen unterschiebt. Des Rebben Ignoranz ist ein ebenso glänzendes Zeugniß seiner Göttlichkeit wie das Wunder, das ihm stündlich zu Gebote stehet. Der Beschtmensch ist der-Sklave seines Rebben, .der wie ein Moloch des Verehrers Gut und Geld, Vernunft