Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 264)
- Language
- German
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160 und Seele verschlingt — und das ist des Chassidäismus traurige Nachtseite, die uUs ein Grauen einzuflößen vermag, und um deren willen er als Feind aller Bildung und Zivilisation, als schnöder Gegensatz zum wahren Judenthume mit aller Macht bekämpft werden muß, und dieß um so nachdrücklicher als seine anziehende, poetische Seite für den gemeinen Mann der Verlockungen so viele hat, die ihn ins Verderben stürzen und der Unmoralität entgegenführen. Diese Zuversicht zum Rebben macht träge, denkfaul, leichtfertig, unselbstständig, verscheucht jede Sündenscheu und nimmt einen Charakter an, der das Judenthum in seinen Grundfesten erschüttert. So stehet in der Beschtwelt das Erhabene und Lächerliche, das Heilige und Gemeine bunt durcheinander und in der gefährlichsten Nachbarschaft. Machen wir noch einen Streifzug durch dieses Gebiet und hören wir, was man sich vom Bescht in den verschiedenen Schriften, die seinem Kultus gewidmet sind, erzählet. Wir pflücken diese Blumen, wohl- und übelriechende, gesunde und giftige, wie wir ihnen eben begegnen. Möge der Leser selber urtheilen, was er von dem „Elfendorfe" zu denken hat. Bescht betete einmal gar zu lange, und erklärte dann seinen Anhängern, daß die Todten aus ihren Gräbern sich erhoben, als er die Worte sprach: „Gelobt seiest du Gott, der die Todten belebt" — und da hätten dann die Verstorbenen verlangt, Bescht wolle ihr Seelenheil verbessern, was einige Stunden in Anspruch nahm. Am Versöhnungsabend stand Bescht als Vorbeter vor dem Pulte und trug das Schlußgebet vor. Mit eiuem Male ergriff ihn ein Zittern, es sinken ihm die Knie, der Kopf fällt nach vorwärts, man eilt hin, ihn empor zu halten, aber niemand wagt ihn zu berühren. Die Augen treten erstarrt ans ihren Höhlen, er lebt und rührt sich nicht.