Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 261)
- Language
- German
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157 In der Äugend freut man sich der zunehmenden Kraft, im Alter der Annäherung an den Himmel, im Leben des Kampfes mit der Hölle, im Tode des Sieges über alle Versuchung. In der Verinnerlichung findet man sein eigenes Ich, und in der Selbstentwickelung fühlt man sich Gott werden. Dieses sind die Grundzüge des Chassidäismus, der so lange bestehen wird, als im gegnerischen Kreise der Formalismus seine Herrschaft erhält. Der Chassidäismus ist nur der poetisirte Schulchan-Aruch, den man aus dem nüchternen Geschäftsstyl in die bilderreiche Sprache des Gemüthes übertragen hat. Irgendwo muß die Freiheit des Geistes, der Trieb sich eine Welt zu bauen, zum Durchbruche kommekr. Kann er sich nicht natürlich entwickeln und seine Gestalten im Wege der Forschung frei und ungehindert erschaffen —- so spielt er einstweilen mit bunten Seifenblasen, um an deren Farbenpracht sich zu weiden. Ob wir die Beschtnatur richtig aufgefaßt, dessen mögen die folgenden Anekdoten und Sprüche des Bescht und seiner Nachfolger Zeugniß geben. Bescht in allen Ecken. Haben wir im vorigen Kapitel gezeigt, wie die Weltanschauung des Beschtmenschen sich von dem Formalismus nur durch den poetisirenden Ausdruck unterscheide, so gilt es auch andere mehr wesentliche Unterschiede hervorzuheben, die im Laufe der Zeiten zum Chassidäismus aus ganz fremden Sphären hinzugetreten sind, um ihm den Sektencharakter aufzudrücken. Der Schulchan-Aruch-Jude ist vor lauter Formeln steif, unbeugsam und unlenksam als hätte er einen Ladestock verschluckt; der Beschtmensch dagegen ist sehr beweglich, schmiegsam und voll Phantasie. Dafür ist der For-