Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 258)
- Language
- German
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154 lich sein Vater ist. DaS Wort kann also auch ein Bastard sein, wenn die Sprachfähigkeit zufällig von einem andern als dem richtigen Gedanken befruchtet ward, und diese Bastarde sind dann keine Engel mehr, sondern Dämonen, die die Welt verheeren. Es kann und soll daher nicht jeder beten, der den innern Geist des Wortes nicht kennt, es kann und soll selbst der Kenner nicht um eine Zeit beten, da ihm die nöthige Sammlung abgehet. Der Beschtmensch gehet über den Kodex hinaus, der das Gebet an bestimmte Stunden knüpfen will. „Ich verbessere die Welt weit mehr, wenn ich jetzt aus meiner Lulka rauche, als Ihr mit Euren Gebeten," sagte ein Chassid ganz richtig in seinem Buche „das verborgene Licht." — Der Jurist sagt ganz trocken: Diese Genüsse sind erlaubt und jene verboten, diese Kleidung ist vorschriftsmäßig und jene untersagt, diese Körperreinigung ist dekretirt, jene Körperhaltung ist wider religiöse Anstandsregel, dieses Betragen ist Disziplinar-Vergehen gegen die Ordonnanz, welche Bescheidenheit gebietet, und jenes Benehmen ist laut Kabinetsordre für den Verkehr in Gesellschaft vorgeschrieben. Der Beschtmensch akzeptirt die Normen, aber er sucht in ihren Geist einzudringen und denkt also: Sind mir Genüsse verboten, so muß offenbar zwischen leiblichem Genüsse und dem Leben der Seele ein Zusammenhang bestehen. Meine Kleidung, meine Hautreinigung muß irgend einen Einfluß auf die Geisterwelt ausüben. Wie ist dieß möglich? Was haben Fleisch und Milch mit dem Himmel zu thun? Was das Tauchbad mit dem Jenseits? Was sind überhaupt die Dinge dieser sinnlich wahrnehmbaren Welt? Wie sind sie entstanden? Sie sind verdickte Ideen, starr gewordene Gedanken. Das ist nichts Neues und Seltsames. Der Schuster fertigt einen Stiefel aus, der Schreiner einen Tisch. Was